Die Entmenschlichung des Gegners am Beispiel Trump

Bild von kaysgeog (CC)

Anfang Juni berichteten diverse deutsche Medien von einem neuerlichen »Eklat« um den US-Präsidenten Donald Trump. Dieser habe vor seinem Staatsbesuch im Vereinigten Königreich den Londoner Bürgermeister Sadiq Khan per Twitter »attackiert«, hieß es in Social-Media-Postings, Überschriften und Anreißern.

Man musste sich tief in die dazugehörigen Artikel vorarbeiten, um zu erfahren, dass Trump mit den fraglichen zwei Tweets auf einen vorangegangenen Angriff Khans reagiert hatte. Bei manchen erfuhr man es gar nicht. Bei keinem erhielt man einen Eindruck des Umfangs und der Schärfe von Khans Angriff.

Die Gleichförmigkeit dieser Berichterstattung ist ein schönes Beispiel dafür, wie sich die Eisenspäne im Feld eines moralischen Elektromagneten ausrichten. Trump ist für diese Medien das Fremde, das Andere, das Böse. Als solches steht er außerhalb der Welt zwischenmenschlicher Verbindlichkeit. Wenn er angegriffen wird, erscheint das daher normal und nicht weiter erwähnenswert. Er ist derjenige, der den Frieden stört, schon allein dadurch, dass er im Amt ist. Er ist der Angreifer, egal wie der konkrete Sachverhalt aussieht. Ihm gegenüber sind keine Fairnessregeln einzuhalten, weil bereits seine bloße Existenz als Regelverstoß empfunden wird.

→ weiterlesen

Heilige Werte und ideologische Blindheit

Es gibt eine Sorte von Ansichten über die Welt, die wir mit Zähnen und Klauen verteidigen. Wir stellen uns blind gegen Informationen, die ihnen widersprechen, werten sie reflexhaft ab oder werden richtiggehend zornig auf die, die sie weitergeben. Im Extremfall erklären wir Menschen und Gruppen zu Feinden und ziehen in den Krieg gegen sie, weil ihre Ansichten uns in dieser Weise provozieren.

Dieser Artikel beschäftigt sich mit der Psychologie hinter diesem Phänomen. Was dabei geschieht, ist, in aller Kürze gesagt, dass Menschen moralische Gemeinschaften bilden und dabei heilige Werte verinnerlichen, die sie an ihre Gruppe binden. Dieser Mechanismus der Gruppenintegration durch heilige Werte ist ein Produkt der Evolution, das unserer außerordentlichen Fähigkeit zur Koordination und Kooperation in Großgruppen und somit unserem Erfolg als Spezies zugrunde liegt.

Die Kehrseite dessen ist eine reflexhafte Feindseligkeit gegen jeden, der die heiligen Werte verletzt, sei es ein Vertreter einer Fremdgruppe oder ein Ketzer in den eigenen Reihen. Sein Handeln bedroht das, was die Gruppe im Innersten zusammenhält, und deren Mitglieder stoßen ihn ab wie Antikörper einen Krankheitserreger. Verletzt jemand heilige Werte, stellt sich unwillkürlich eine Wahrnehmung dieser Person als bösartig ein.

→ weiterlesen

Culture War – ein Exposé

Worum geht es im Culture War? Welche sozialen und psychischen Mechanismen verhindern eine Verständigung zwischen den Lagern und lassen die Feindschaft eskalieren? Warum gehen Rechte und Linke einander an die Gurgel, statt sachlich darüber zu streiten, wer die besseren Diagnosen und Lösungen hat?

Seit Jahren reift in mir das Vorhaben, ein Buch über diese Fragen zu schreiben. Ein Buch mit dem Anliegen, uns die Dynamiken klarer bewusst zu machen, in die wir verstrickt sind, um wenigstens einen Teil unserer blinden Verstrickung in vernunftgeleitetes Handeln zu verwandeln.

→ weiterlesen