Ist links gut und rechts böse?

Darf man mit rech­ten Par­tei­en koope­rie­ren? Darf man mit lin­ken Par­tei­en koope­rie­ren? Muss man, wenn man das eine aus­schließt, auch das ande­re ausschließen?

Anläss­lich der Thü­rin­ger Kri­se der letz­ten Tage sind die­se Fra­gen gera­de wie­der Gegen­stand öffent­li­cher Dis­kus­si­on. Zugrun­de liegt ihnen die all­ge­mei­ne­re Fra­ge, ob und inwie­fern rech­ter und lin­ker Radi­ka­lis­mus gleich­wer­tig bzw. glei­cher­ma­ßen ver­ur­tei­lungs­wür­dig und gefähr­lich sind. 

Die Annah­me, dass sie das sei­en, kol­li­diert aufs Hef­tigs­te mit dem lin­ken Selbst­ver­ständ­nis. Die Lin­ke sieht sich als Kraft, die das Gute will und einer rech­ten Kraft gegen­über­steht, die das Böse will.

Das Argu­ment klingt etwa so:

Wie sol­len rechts und links äqui­va­lent sein? Lin­ke ste­hen für Gleich­heit. Sie set­zen sich für die Schwa­chen ein und wol­len mehr Gerech­tig­keit schaf­fen. Rech­te ste­hen für Ungleich­heit. Sie wol­len Men­schen die Rech­te weg­neh­men, sie ver­fol­gen und aus­gren­zen. Das eine ist men­schen­freund­lich, das ande­re men­schen­feind­lich. Häu­fig wird »rechts« auch gera­de­her­aus mit »Hass« gleichgesetzt.

Wenn man es so for­mu­liert, kann man nur auf Sei­ten der Lin­ken ste­hen. Dann sind die­se unzwei­deu­tig die Guten und die Rech­ten die Bösen.

Doch das sagt zunächst ein­mal wenig aus, da es sich dabei um eine lin­ke Selbst­wahr­neh­mung und ‑beschrei­bung han­delt. Wenn man einen Lin­ken fragt, wofür die Lin­ke steht, bekommt man wenig über­ra­schend eine Ant­wort, die gut klingt. Wenn man einen Rech­ten frag­te, wofür er steht, wür­de er eben­falls kaum Ungleich­heit, Aus­gren­zung, Ver­fol­gung und Hass sagen, son­dern eben­falls etwas, das gut klingt. Und er hät­te auch eine weni­ger schmei­chel­haf­te Beschrei­bung der lin­ken Gegen­sei­te parat, so dass ein unbe­darf­ter außer­ir­di­scher Zuhö­rer zu dem Schluss käme, dass die Rech­ten wohl die Guten seien.

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Ist Rassismus ein Machtverhältnis?

If you have always belie­ved that ever­yo­ne should play by the same rules and be jud­ged by the same stan­dards, that would have got­ten you labe­led a radi­cal 60 years ago, a libe­ral 30 years ago and a racist today. 

– Tho­mas Sowell

Vor ein paar Tagen habe ich auf Twit­ter eine Tweet-Ket­te über die Auf­fas­sung geschrie­ben, dass Ras­sis­mus ein Macht­ver­hält­nis sei und Ras­sis­mus gegen Wei­ße nicht exis­tie­re. Genau­ge­nom­men sind das zwei ver­schie­de­ne The­sen, die aber gewöhn­lich im Zusam­men­hang mit­ein­an­der ver­tre­ten wer­den. Sie gehö­ren zu einer Rei­he radi­ka­ler Ideen neu­lin­ker Iden­ti­täts­po­li­tik, die Ein­gang in den kul­tu­rel­len und poli­ti­schen Main­stream gefun­den haben und sich dort immer mehr eta­blie­ren. Dies geschieht pro­mi­nent mit dem Kon­zept »Diver­si­ty«.

»Diver­si­ty« zu for­cie­ren heißt, gegen Wei­ße zu dis­kri­mi­nie­ren, ins­be­son­de­re wei­ße Män­ner. Um das legi­ti­mie­ren zu kön­nen, muss man defi­ni­to­risch aus­schlie­ßen, dass es Dis­kri­mi­nie­rung ist, was es fak­tisch den­noch bleibt.

Da auf Twit­ter eini­ge den klei­nen Text nütz­lich fan­den, stel­le ich ihn in über­ar­bei­te­ter Form auch hier ein.

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Wie wir leben wollen sollen

Oder: Wollt ihr die tota­le Repräsentation?

Es gibt eini­ge Zwangs­läu­fig­kei­ten im anti­ka­pi­ta­lis­ti­schen Den­ken und Han­deln der Lin­ken. Deren wohl größ­tes und unver­zeih­lichs­tes Ver­säum­nis ist, dass sie sich nicht dar­über Rechen­schaft gibt, wel­che Zwangs­läu­fig­kei­ten es sind, die lin­ke revo­lu­tio­nä­re Bewe­gun­gen in ent­schei­den­den his­to­ri­schen Momen­ten immer wie­der in dys­funk­tio­na­le Tyran­nei­en haben mün­den las­sen. Statt­des­sen tun sie so, als wäre das, was immer wie­der pas­siert ist, immer wie­der nur ein ver­rück­ter Zufall gewe­sen. Zur rech­ten Dik­ta­tur sagen wir zu recht »nie wie­der«; was wir nach links gewandt sagen, klingt mehr nach »gute Idee, wei­ter versuchen«.

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Albigna

Letz­ten Som­mer habe ich etwas Zeit in den Schwei­zer Ber­gen ver­bracht. Im Kan­ton Grau­bün­den steht nahe dem Tal Ber­gell ein beein­dru­cken­des Bau­werk: Die Stau­mau­er des in 2162 Meter Höhe gele­ge­nen Albi­gna­sees. Sie erzeugt seit ihrer Fer­tig­stel­lung im Jahr 1959 Strom für das Elek­tri­zi­täts­werk Zürich, schützt die Tal­be­woh­ner vor Über­schwem­mun­gen und fun­giert als Brü­cke. Sie misst bis zu 115 Meter Höhe mal 760 Meter Länge.

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Wilde Horden im Internet: Ein Spezialfall des Mythos vom reinen Bösen

Anknüp­fend an den vor­an­ge­hen­den Arti­kel über die Wahr­neh­mung ideo­lo­gi­scher Geg­ner als böse gehe ich hier anhand von Bei­spie­len auf eine Vari­an­te des Mythos des rei­nen Bösen ein, die uns im Inter­net­zeit­al­ter häu­fig begeg­net. Ich bezeich­ne sie als »Wil­de Hor­den«. Die­se tre­ten in Erzäh­lun­gen auf, die besa­gen, dass da drau­ßen bzw. im Inter­net eine wil­de Hor­de ihr Unwe­sen trei­be, die der Leser/Zuhörer fürch­ten und has­sen soll. Sol­che Erzäh­lun­gen haben die Funk­ti­on, ein Moral­sys­tem zu repro­du­zie­ren und die Pola­ri­tät von Gut und Böse zu schär­fen, was die eige­ne Sei­te ent­spre­chend hel­ler als gut erstrah­len lässt. Wil­de Hor­den sind ein dank­ba­res Ziel für Pro­jek­tio­nen des Bösen, weil sie furcht­ein­flö­ßend und zugleich anonym und nicht greif­bar sind. Will man kon­kre­te Per­so­nen beschul­di­gen, braucht man Bewei­se und muss sich der Ver­tei­di­gung der Beschul­dig­ten stel­len. Wil­de Hor­den hin­ge­gen kön­nen sich nicht und kann man nicht ver­tei­di­gen. Wil­de-Hor­den-Erzäh­lun­gen sta­bi­li­sie­ren mora­li­sche Gemein­schaf­ten, doch auf gesamt­ge­sell­schaft­li­cher Ebe­ne zer­stö­ren sie Vertrauen.

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Warum wir ideologische Gegner als bösartig wahrnehmen

Das Böse betritt die Welt meist unbe­merkt von den­je­ni­gen, die ihm die Tür öff­nen und es ein­las­sen. Die meis­ten Men­schen, die Böses tun, sehen ihre Taten nicht als böse an. Das Böse exis­tiert pri­mär im Auge des Betrach­ters, ins­be­son­de­re des Opfers.

Roy Bau­meis­ter in: »Evil: Insi­de Human Vio­lence and Cru­el­ty« (Deutsch: »Vom Bösen: War­um es mensch­li­che Grau­sam­keit gibt«), mei­ne Über­set­zung

Im lin­ken wie im rech­ten Lager erklärt man sich die abwei­chen­den Stand­punk­te der Geg­ner häu­fig damit, dass die­se von zer­stö­re­ri­schen Absich­ten getrie­ben sei­en. Damit kon­tras­tie­ren in der Wahr­neh­mung die jeweils eige­nen Absich­ten, die man für gut, pro­duk­tiv und men­schen­freund­lich hält. Der Vor­wurf an die Gegen­sei­te, von Bos­heit getrie­ben zu sein und zer­stö­ren zu wol­len, kommt in vie­len For­men vor. Eine der häu­figs­ten ist heu­te die Ankla­ge des Has­ses. Wei­te­re Bei­spie­le sind »Het­ze«, »Faschis­ten«, »men­schen­ver­ach­tend«, »Demo­kra­tie­fein­de«, »Ver­fas­sungs­fein­de« und »die Mas­ken fal­len«. Sie alle wol­len dar­auf hin­aus, dass der Geg­ner ins­ge­heim bös­ar­ti­ge, zer­stö­re­ri­sche Absich­ten verfolge. 

In die­sem Arti­kel argu­men­tie­re ich auf Basis des ein­gangs zitier­ten Buches von Bau­meis­ter, dass die Wahr­neh­mung des poli­ti­schen Geg­ners als böse ein psy­cho­lo­gi­scher Reflex ist, der das Den­ken ver­zerrt, die Kom­mu­ni­ka­ti­on behin­dert und zur Eska­la­ti­on der gegen­sei­ti­gen Feind­se­lig­kei­ten bei­trägt. Indem wir uns die­se Mecha­nis­men bewusst machen, kön­nen wir ihnen bes­ser widerstehen.

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Die Empathielücke und die Krise der Männlichkeit

Die­ser Text erschien ursprüng­lich in mei­nem alten Blog als Bei­trag zum Tag der Geschlech­ter-Empa­thie­lü­cke am 11. Juli 2018. Ein Jahr spä­ter ver­öf­fent­li­che ich ihn hier gering­fü­gig über­ar­bei­tet wie­der. Im Alter­na­tiv­los-Aqua­ri­um fin­den Sie wei­te­re Infor­ma­tio­nen und Bei­trä­ge zum The­ma.

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»Es ist gut, wenn wei­nen­de Män­ner im Fern­se­hen gezeigt werden«.

Die­sen Satz hör­te ich neu­lich in einer Knei­pen­run­de, die sich zum WM-Spiel Kolum­bi­en gegen Eng­land ver­sam­melt hat­te. Nach Ver­län­ge­rung und Elf­me­ter­schie­ßen hat­te Eng­land gewon­nen. Eines der Stim­mungs­bil­der nach dem Abpfiff zeig­te einen kolum­bia­ni­schen Spie­ler auf der Bank, der sicht­lich nie­der­ge­schla­gen war und Trä­nen in den Augen hatte.

Dazu äußer­te eine jun­ge Frau am Tisch obi­gen Satz. Jemand ande­res in Hör­wei­te, männ­lich, pflich­te­te nach­drück­lich bei, als hät­te sie etwas Pro­fun­des gesagt, das man gar nicht oft genug wie­der­ho­len kann.

Dies stell­te mich vor ein Dilem­ma. Soll­te ich schwei­gen oder ihre Äuße­rung zurück­wei­sen und damit eine poli­ti­sche Dis­kus­si­on vom Zaun brechen?

Trotz inne­rem Pro­test zu schwei­gen ist immer eine Unehr­lich­keit gegen­über ande­ren und sich selbst. Zu wider­spre­chen ande­rer­seits birgt bei sen­si­blen The­men eine gewis­se Wahr­schein­lich­keit, dass dar­aus Kon­tro­ver­sen fol­gen, die leicht eine Stun­de oder auch den gan­zen Abend dau­ern kön­nen. Dabei woll­ten wir alle uns doch nur in freund­li­cher Gesell­schaft ent­span­nen. Habe ich das Recht, den Abend in Beschlag zu neh­men? Und habe ich Lust dazu?

Es gäbe theo­re­tisch auch den Mit­tel­weg, höf­lich und diplo­ma­tisch zu wider­spre­chen statt »Bull­shit« zu sagen, wie es mir auf der Zun­ge lag, oder vor­sich­tig nach­zu­fra­gen, was sie mein­te. Aber auch das wäre unehr­lich gewe­sen, denn ich will mir gar nicht zum x‑ten Mal den immer glei­chen, modisch män­ner­feind­li­chen Quatsch anhö­ren, dass tra­di­tio­nel­le Männ­lich­keit »toxisch« sei und Män­ner mehr wie Frau­en wer­den müss­ten und/oder mehr Femi­nis­mus brauchten.

Wie klingt die Gegen­pro­be: »Es ist gut, wenn wei­nen­de Frau­en im Fern­se­hen gezeigt wer­den«. Wür­de man das in einer gesel­li­gen Run­de sagen, mit einem Aus­druck der Genug­tu­ung beim Anblick einer wei­nen­den Frau? Wie wür­den die Leu­te dar­auf reagieren?

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