Anonymität und Wahrheit

»Ich möch­te wis­sen, wer hin­ter sol­chen Kom­men­ta­ren steckt«, sag­te kürz­lich die CDU-Vor­sit­zen­de Anne­gret Kramp-Kar­ren­bau­er mit Blick auf höh­ni­sche Online-Kom­men­ta­re zum Mord an dem Kas­se­ler Regie­rungs­prä­si­den­ten Wal­ter Lüb­cke. Damit gab sie den Anstoß für das jüngs­te Wie­der­auf­le­ben der Dis­kus­si­on um eine Klar­na­men­pflicht im Internet. 

Ich neh­me die­se zum Anlass, auf Basis eini­ger Über­le­gun­gen zu Anony­mi­tät, Wahr­heit und Mei­nungs­frei­heit für eine frei­wil­li­ge Ver­wen­dung von Klar­na­men im Inter­net zu plädieren.

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Die Entmenschlichung des Gegners am Beispiel Trump

Bild von kays­geog (CC)

Anfang Juni berich­te­ten diver­se deut­sche Medi­en von einem neu­er­li­chen »Eklat« um den US-Prä­si­den­ten Donald Trump. Die­ser habe vor sei­nem Staats­be­such im Ver­ei­nig­ten König­reich den Lon­do­ner Bür­ger­meis­ter Sadiq Khan per Twit­ter »atta­ckiert«, hieß es in Social-Media-Postings, Über­schrif­ten und Anreißern. 

Man muss­te sich tief in die dazu­ge­hö­ri­gen Arti­kel vor­ar­bei­ten, um zu erfah­ren, dass Trump mit den frag­li­chen zwei Tweets auf einen vor­an­ge­gan­ge­nen Angriff Khans reagiert hat­te. Bei man­chen erfuhr man es gar nicht. Bei kei­nem erhielt man einen Ein­druck des Umfangs und der Schär­fe von Khans Angriff.

Die Gleich­för­mig­keit die­ser Bericht­erstat­tung ist ein schö­nes Bei­spiel dafür, wie sich die Eisen­spä­ne im Feld eines mora­li­schen Elek­tro­ma­gne­ten aus­rich­ten. Trump ist für die­se Medi­en das Frem­de, das Ande­re, das Böse. Als sol­ches steht er außer­halb der Welt zwi­schen­mensch­li­cher Ver­bind­lich­keit. Wenn er ange­grif­fen wird, erscheint das daher nor­mal und nicht wei­ter erwäh­nens­wert. Er ist der­je­ni­ge, der den Frie­den stört, schon allein dadurch, dass er im Amt ist. Er ist der Angrei­fer, egal wie der kon­kre­te Sach­ver­halt aus­sieht. Ihm gegen­über sind kei­ne Fair­ness­re­geln ein­zu­hal­ten, weil bereits sei­ne blo­ße Exis­tenz als Regel­ver­stoß emp­fun­den wird. 

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Heilige Werte und ideologische Blindheit

Es gibt eine Sor­te von Ansich­ten über die Welt, die wir mit Zäh­nen und Klau­en ver­tei­di­gen. Wir stel­len uns blind gegen Infor­ma­tio­nen, die ihnen wider­spre­chen, wer­ten sie reflex­haft ab oder wer­den rich­tig­ge­hend zor­nig auf die, die sie wei­ter­ge­ben. Im Extrem­fall erklä­ren wir Men­schen und Grup­pen zu Fein­den und zie­hen in den Krieg gegen sie, weil ihre Ansich­ten uns in die­ser Wei­se provozieren.

Die­ser Arti­kel beschäf­tigt sich mit der Psy­cho­lo­gie hin­ter die­sem Phä­no­men. Was dabei geschieht, ist, in aller Kür­ze gesagt, dass Men­schen mora­li­sche Gemein­schaf­ten bil­den und dabei hei­li­ge Wer­te ver­in­ner­li­chen, die sie an ihre Grup­pe bin­den. Die­ser Mecha­nis­mus der Grup­pen­in­te­gra­ti­on durch hei­li­ge Wer­te ist ein Pro­dukt der Evo­lu­ti­on, das unse­rer außer­or­dent­li­chen Fähig­keit zur Koor­di­na­ti­on und Koope­ra­ti­on in Groß­grup­pen und somit unse­rem Erfolg als Spe­zi­es zugrun­de liegt.

Die Kehr­sei­te des­sen ist eine reflex­haf­te Feind­se­lig­keit gegen jeden, der die hei­li­gen Wer­te ver­letzt, sei es ein Ver­tre­ter einer Fremd­grup­pe oder ein Ket­zer in den eige­nen Rei­hen. Sein Han­deln bedroht das, was die Grup­pe im Inners­ten zusam­men­hält, und deren Mit­glie­der sto­ßen ihn ab wie Anti­kör­per einen Krank­heits­er­re­ger. Ver­letzt jemand hei­li­ge Wer­te, stellt sich unwill­kür­lich eine Wahr­neh­mung die­ser Per­son als bös­ar­tig ein.

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Culture War – ein Exposé

Wor­um geht es im Cul­tu­re War? Wel­che sozia­len und psy­chi­schen Mecha­nis­men ver­hin­dern eine Ver­stän­di­gung zwi­schen den Lagern und las­sen die Feind­schaft eska­lie­ren? War­um gehen Rech­te und Lin­ke ein­an­der an die Gur­gel, statt sach­lich dar­über zu strei­ten, wer die bes­se­ren Dia­gno­sen und Lösun­gen hat?

Seit Jah­ren reift in mir das Vor­ha­ben, ein Buch über die­se Fra­gen zu schrei­ben. Ein Buch mit dem Anlie­gen, uns die Dyna­mi­ken kla­rer bewusst zu machen, in die wir ver­strickt sind, um wenigs­tens einen Teil unse­rer blin­den Ver­stri­ckung in ver­nunft­ge­lei­te­tes Han­deln zu verwandeln.

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