

Als »falsche Freunde« bezeichnet man in der Linguistik Wörter aus verschiedenen Sprachen, die sich äußerlich ähneln, aber Unterschiedliches bedeuten.
Wenn Journalisten das amerikanische »liberal« direkt importieren und damit Linke als »liberal« bezeichnen, mag das in der Regel ein gedankenloser Übersetzungsfehler sein.
Allerdings ist es auch verdächtig opportun, und deshalb passiert es vielleicht inzwischen auch ohne dass eine Übersetzung im Spiel ist. In den USA werden Linke bis hin zu Marxisten als »liberals« bezeichnet (auch dort ein nachlässiger Sprachgebrauch). Indem man diese Radikalen hier als Liberale verkauft, hat man ihnen automatisch die politische Unbedenklichkeit bescheinigt und gleichzeitig ihre Gegner und Kritiker als antiliberal ausgewiesen, was insbesondere US-amerikanische Konservative in vielen Fällen keineswegs sind.
Dass »liberal« dort die Bedeutung unseres »links« hat, lässt sich leicht durch all die Studien nachweisen, die mit der Achse »conservative – liberal« arbeiten und »liberal« mit Einstellungsskalen messen, die linke Standpunkte abfragen und keine liberalen. Manchmal wird dort auch zwischen »liberal« und »very liberal« abgestuft. Marxisten wären dementsprechend in den deutschen Medien dann »sehr liberal«.
Und wie so oft haben diese Journalisten dabei nicht auf dem Schirm, dass ihr »Kampf gegen Rechts« in seiner Wirkung eher einer für Rechts ist. Denn indem sie Linke als »liberal« bezeichnen, bestätigen sie die post- und antiliberalen Teile des rechten Lagers, die Wokeness/Neomarxismus als Endstadium des Liberalismus ansehen und deshalb beide überwinden wollen.