Falsches Opfertum als soziales Kapital

Quillette berichtet über eine aktuelle Studie, die sich mit der Neigung beschäftigt, Opfertum zur Schau zu stellen und sich dadurch Vorteile zu verschaffen. Wie es scheint, ist diese Neigung mit der sogenannten dunklen Triade der Persönlichkeitsmerkmale verbunden: Narzissmus, Machiavellismus und Psychopathie.

Diese und weitere Erkenntnisse aus der Studie bilden ein weiteres wertvolles Puzzlestück für ein Gesamtbild, an dem unter anderem ich hier arbeite. Die Psychologie der Opfermentalität habe ich in »Der rassistische Antirassismus« als wichtigen Faktor des Problemkomplexes angesprochen. In dem Text »Psychologische Hebel der Wokeness«, der in meinem Buch enthalten ist, taucht das Opfertum als wesentlicher unter den beschriebenen Hebeln auf. In »Pseudo-Realität« schließlich geht es um das Scharnier zwischen psychologischen Eigenschaften wie denen, die die dunkle Triade abbildet, und mächtigen Ideologien, deren primäres soziales Kapital behauptetes Opfertum ist.

Daher dokumentiere ich im Folgenden Auszüge des Artikels in deutscher Übersetzung. Alle Links stehen so im Original.

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Gina Carano

Seit ein paar Monaten halte ich ständig Ausschau nach guten Nachrichten hinsichtlich der totalitären Tendenzen, die besonders in den USA bedrohliche Ausmaße angenommen haben. Meiner Einschätzung nach hat sich dort ein erhebliches destruktives Potenzial aufgebaut, und ob dieses wieder abgebaut werden kann oder in entsprechend destruktive Systemveränderungen mündet, hängt wesentlich davon ab, ob, wann und wieweit sich ein Widerstand gegen diese Entwicklung formiert. Deshalb warte ich auf Anzeichen dafür, dass dies passiert.

Gina Carano ist so eine positive Nachricht. Die Kampfsportlerin und Hollywood-Schauspielerin verlor kürzlich wegen einiger politisch unkorrekter Tweets, die den üblichen Online-Mob auf den Plan riefen, ihre regelmäßige Rolle in der erfolgreichen Star-Wars-Serie »The Mandalorian« von Lucasfilm/Disney. Die gute Nachricht daran ist, dass sie seither eine Welle der Solidarität erfährt. Dazu gehörte auch, dass Ben Shapiros Medienunternehmen »The Daily Wire« ihr anbot, einen Film mit ihr zu produzieren, und sie sofort einwilligte. Heute ist ein ausführliches Interview erschienen, das Ben Shapiro mit Gina Carano geführt hat und das ich thematisch Interessierten empfehle.

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Pseudo-Realität

Der Wokeness-Kritiker James Lindsay hat am 25. Dezember 2020 den bahnbrechenden Text »Psychopathy and the Origins of Totalitarianism« – Psychopathie und die Ursprünge des Totalitarismus – veröffentlicht, der als Theorie der Wokeness-Bewegung vollständiger ist als alles, was ich bis dahin darüber gelesen hatte. Ich glaube, dass diese Theorie und ihr zentrales Konzept, Pseudo-Realität, für das Verständnis des Phänomens und für Widerstand dagegen äußerst nützlich sein können. Im Folgenden gebe ich daher Lindsays Überlegungen wieder, wie ich sie verstehe. Teilweise bin ich dabei nahe am Originaltext, an anderen Stellen habe ich eigene Erläuterungen oder Beispiele hinzugefügt, wo ich es für sinnvoll hielt. Lindsays Text ist sehr dicht und abstrakt und daher etwas mühsam zu lesen. Ich ziele hier nicht darauf, dieselbe Dichte zu reproduzieren, sondern will vor allem die Kerngedanken in einer relativ leicht verständlichen Form auch im Deutschen verfügbar machen.

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Trojanische Pferde der Wokeness

Ein zentraler Mechanismus der Wokeness-Ideologie beruht auf dem strategischen Einsatz von Begriffen mit doppelten Bedeutungen. Alle ihre tragenden Begriffe treten in mehreren Bedeutungsvarianten auf, die von unterschiedlicher theoretischer (bzw. theologischer) Tiefe und in unterschiedlichen Phasen der Indoktrinierung anschlussfähig sind. Die mehr oberflächlichen, naiven Bedeutungen sind ansprechend für Neulinge und anschlussfähig an den Liberalismus; die tieferen bilden die Gedankenwelt der fortgeschrittenen Ideologen, die sich von derjenigen normaler Menschen im Liberalismus drastisch unterscheidet. Die Doppelbegriffe tarnen diese Realitätsferne der Theorie und Forderungen und verkleiden sie zunächst als etwas Harmloses. Je tiefer man dann in die Theorie und zugehörigen Kreise eintaucht, desto mehr wird man mit den weniger harmlosen Gehalten vertraut. Dieser Mechanismus ist für das Verständnis der »Social Justice«-Ideologien und der Mechanismen ihrer Verbreitung wesentlich.

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»Du darfst nur nicht mitspielen«

Beim Kampf gegen Rassismus geht es doch verdammt noch mal nicht um die Befindlichkeiten und Bedürfnisse und Empfindlichkeiten von weißen Menschen.
Helge Lindh (SPD)

Nach klassischer Definition und allgemeinem Sprachgebrauch ist Rassismus eine meist abwertende Beurteilung von Personen auf Basis tatsächlicher oder zugeschriebener rassischer Eigenschaften beziehungsweise die Ungleichbehandlung, die aus solchen Beurteilungen erwächst. Doch diese Auffassung wird mehr und mehr durch eine neue abgelöst, der zufolge man nur dann von Rassismus sprechen könne, wenn die Abgewerteten »strukturell benachteiligt« (o. Ä.) und die Rassisten »strukturell privilegiert« sind, und die strukturell Privilegierten seien in unserer Welt immer die Weißen.

Natürlich können sich Begriffsbedeutungen wandeln und kann man Definitionen ändern. Das ist aber nur dann sinnvoll und wird ohne Gewaltakt wohl auch nur dann gelingen, wenn dadurch die Ausdrucks- und Differenzierungsmöglichkeiten der Sprache zunehmen oder wenigstens gleichbleiben. Das ist hier nicht der Fall. Die Ausdrucks- und Differenzierungsmöglichkeiten des neuen Rassismusbegriffs sind um Größenordnungen geringer als die des klassischen, wie ich im Folgenden erläutere.

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Buchveröffentlichung: »Im Schatten guter Absichten«

Update 19. Januar: Die Taschenbuchversion ist jetzt auch verfügbar.

Ich habe eine leicht überarbeitete Fassung des Artikels Der rassistische Antirassismus – Kritik einer Massenhysterie zusammen mit ein paar neueren Texten zum Thema als Buch veröffentlicht. So sieht es aus:

Und hier ist es käuflich zu erwerben – im Moment nur als E‑Book für Kindle, aber wenn nichts dazwischenkommt, erscheint im Lauf nächster Woche eine Taschenbuchversion. In einem kleinen Taschenbuchformat umfasst es 224 Seiten.

Der Einfachheit halber gebe ich unten das Vorwort des Buches wieder, um es vorzustellen. Doch zunächst noch ein paar Vorbemerkungen in eigener Sache.

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Mulholland Drive und die Blindheit der festgelegten Wahrnehmung

Zum ersten Mal sah ich David Lynchs Mulholland Drive vor bald 20 Jahren zusammen mit ein paar Freunden im Kino. Wir fanden den Film interessant, witzig und irgendwie hypnotisch, aber wir verstanden ihn nicht. Ich war bereit, mich einfach damit abzufinden. Einer meiner Freunde aber googelte in den nächsten Tagen herum und fand eine Interpretation, die zumindest den Großteil des Rätsels löste. Zuerst war ich misstrauisch. Das Ego hört nicht gern Lösungen für Probleme, die es selbst für unlösbar erklärt hatte. Aber es passte alles so gut zusammen, dass ich mich nicht lange dagegen wehren konnte, es zu akzeptieren. Nun begann ich mich zu fragen, warum ich nicht selbst darauf gekommen war. Wir beschlossen, den Kinobesuch zu wiederholen, und sahen nun tatsächlich alles in einem neuen Licht, so dass es endlich Sinn ergab. Danach stellte sich mir noch dringender die Frage, warum ich nicht selbst darauf gekommen war, denn es schien auf der Hand zu liegen.

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5 Gründe, warum das Buch »Wir müssen über Rassismus sprechen« seicht und destruktiv ist

Unter dem Titel »Wir müssen über Rassismus sprechen« erschien soeben die deutsche Fassung des Buches »White Fragility« von Robin DiAngelo, das in den USA ein Bestseller und wesentlich für die Popularisierung der »Critical Race Theory« verantwortlich ist. Mit freundlicher Genehmigung veröffentliche ich aus diesem Anlass folgende Übersetzung eines kritischen Beitrags von Anne Bailey, der zuerst auf Medium und dann auf New Discourses erschien.

Zu den Büchern, die heute häufig als Pflichtlektüre gehandelt werden, gehört Wir müssen über Rassismus sprechen von Robin DiAngelo. Darin möchte DiAngelo weiße Menschen lehren, wie sie den eigenen Rassismus identifizieren können und auf welch vielfältige Weise sie sich dagegen sträuben, ihn anzuerkennen. Ihre These lautet im Wesentlichen, dass weiße Menschen es nicht akzeptieren können, des Rassismus beschuldigt zu werden, und aufgrund dieser »Fragilität« mit emotionaler Abwehr reagieren. Um die systemische weiße Vorherrschaft niederzureißen, müssten alle Weißen den eigenen Rassismus anerkennen.

Anstatt ein ehrliches Gespräch über Rassismus zu führen, hat DiAngelo einen neuen Rahmen für die Definition von Rassismus und weißer Vorherrschaft erfunden. Dieser Rahmen ist nicht nur unlogisch; er ist toxisch, seicht und destruktiv. Hier sind fünf Gründe, warum das Buch Wir müssen über Rassismus sprechen nicht ernst genommen werden sollte.

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Der rassistische Antirassismus – Kritik einer Massenhysterie

Update Januar 2021: Inzwischen ist eine leicht überarbeitete Fassung dieses Beitrags zusammen mit neuen Texten zum Thema als Buch und E‑Book erschienen.

Viele von Ihnen werden auf das, was ich zu sagen habe, eine negative Reaktion im Bauch verspüren. Ihnen wird nicht gefallen, wie es klingt. Insbesondere wird Ihnen nicht gefallen, wie es klingt, wenn es von einem Weißen kommt. Dieses Gefühl der Ablehnung, dieses Gefühl der Empörung, dieses Gefühl des Ekels, dieses Gefühl von »Sam, was zum Teufel ist dein Problem? Warum redest du überhaupt über das Thema?« – dieses Gefühl ist kein Argument. Es ist keine Basis, oder sollte keine sein, um irgendeine Aussage über die Welt für wahr oder falsch zu halten. Ihre Fähigkeit, empört zu sein, ist nichts, was ich oder sonst jemand respektieren müsste. Ihre Fähigkeit, empört zu sein, ist nicht einmal etwas, das Sie respektieren sollten. Tatsächlich ist sie etwas, wovor Sie auf der Hut sein sollten, vielleicht mehr als vor jeder anderen Eigenschaft Ihres Geistes. 

Sam Harris

Wir sehen zur Zeit wieder »zwei Filme auf einer Leinwand« (Scott Adams). Verschiedene Teile der Gesellschaft starren auf dieselben Ereignisse und sehen völlig unterschiedliche Dinge, und das glasklar. Vielen ist die Sichtweise der anderen nicht nur unverständlich, sondern unerträglich.

Die vielleicht beste Veranschaulichung dafür sind die verschiedenen Bedeutungen, die ein Satz wie »all lives matter« oder gar »white lives matter« annehmen kann. Für die einen sind das Selbstverständlichkeiten eines egalitären Humanismus, für die anderen rassistische Kampfparolen.

Dieser unchristlich lange Beitrag ist ein Versuch, den allgemeinen Aufruhr nach dem Tod von George Floyd zu interpretieren und in die kulturelle Landschaft der Gegenwart einzuordnen. Er gliedert sich grob in drei Hauptteile und ‑thesen:

1.) Das Ausbleiben der Gegenprobe – Antirassismus als Religion

In den Massenprotesten und der medialen Begleitmusik drückt sich ein religiöses Bedürfnis aus. Dies macht den Beteiligten rationale Recherche und Reflexion weitgehend unmöglich. Stattdessen bestimmt religiöser Furor das Bild. Das zugrundeliegende religiöse Bedürfnis muss man als tieferliegendes gesellschaftliches Problem ernstnehmen. 

2.) Im Schatten guter Absichten

In den Massenprotesten und der medialen Begleitmusik gehen destruktive Bestrebungen eine Verbindung mit guten Absichten ein. Einzelne Teilnehmergruppen sind mehr von den einen, andere mehr von den anderen beseelt, und die destruktiven können leicht mit den guten Absichten verkleidet und verwechselt werden. Aufgrund der religiösen Aufladung des Themas sind die Massenmedien weitestgehend unfähig oder nicht willens, sich diesem Problem zu stellen.

3.) Wie der postmoderne Antirassismus spaltet und Rassismus fördert

Soweit der tonangebende Antirassismus postmodernistisch verfasst ist (»Critical Race Theory«), reduziert er Rassismus und ethnisch-kulturelle Konflikte nicht, sondern vermehrt sie, indem er 1. eine wesensmäßige und bis auf Weiteres unüberbrückbare Verschiedenheit und Trennung zwischen Weißen und Nichtweißen postuliert (woran es praktisch nichts ändert, dass er diese als »sozial konstruiert« ausgibt), 2. Weiße pauschal verurteilt und anfeindet, was selbst rassistisch ist und Trotz hervorrufen muss, umso mehr, da er zugleich explizit anstrebt, dass die Weißen sich ihres Weißseins stärker bewusst werden, und 3. Nichtweiße tendenziell entmündigt, indem er sie als den Weißen unterlegen und ihrer Fürsorge bedürftig charakterisiert. Zugrunde liegt dem eine aggressive politischen Variante des Postmodernismus, die den radikalen Zweifel der Vorväter ins Gegenteil verkehrt hat: sektiererische Gewissheit über die Richtigkeit des eigenen Weltbildes.

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