homo duplex

Engelsstatue

Ich habe den Namen die­ses Blogs in »homo duplex« geän­dert. Der ursprüng­li­che Name »Cul­tu­re War« gefiel mir in der Pra­xis nicht mehr.

Er traf zwar eini­ger­ma­ßen das The­ma, um das die Arti­kel hier krei­sen, war mir aber schlicht zu aggres­siv. Es setzt den fal­schen Rah­men, wenn dem Leser immer als ers­tes die Idee »Krieg« ent­ge­gen­prangt. Es lässt einen eher in Deckung gehen und nach dem Feind Aus­schau hal­ten, legt also nahe, sich in eine Kriegs­lo­gik hin­ein­zie­hen zu las­sen. Das ist nicht mein Ziel. Viel­mehr geht es dar­um, die­ses Kriegs­ge­sche­hen zu tran­szen­die­ren, indem ich ver­su­che, von einer höhe­ren War­te aus des­sen Dyna­mik auf­zu­schlüs­seln, wohl wis­send, dass ich selbst dar­in ver­strickt bin. Soweit das gelingt, wird das all­ge­mein Mensch­li­che wie­der sicht­bar, das uns ver­bin­det. Der Begriff »Cul­tu­re War« im Vor­der­grund war the­ma­tisch tref­fend und prä­gnant, führ­te aber psy­cho­lo­gisch in die fal­sche Rich­tung.

Auf der Suche nach Alter­na­ti­ven kam ich bald auf »homo duplex«. Dies ist ein Kon­zept des Sozio­lo­gen Émi­le Durk­heim, auf das ich über den Psy­cho­lo­gen Jona­than Haidt gesto­ßen bin, der es zustim­mend auf­greift. Es bedeu­tet soviel wie »der dop­pel­te Mensch«. Die zwei Exis­ten­zen des Men­schen, die Durk­heim damit mein­te, sind die indi­vi­du­el­le und die sozia­le. Man könn­te auch sagen: die äffi­sche und die gött­li­che.

→ wei­ter­le­sen

Anonymität und Wahrheit

»Ich möch­te wis­sen, wer hin­ter sol­chen Kom­men­ta­ren steckt«, sag­te kürz­lich die CDU-Vor­sit­zen­de Anne­gret Kramp-Kar­ren­bau­er mit Blick auf höh­ni­sche Online-Kom­men­ta­re zum Mord an dem Kas­se­ler Regie­rungs­prä­si­den­ten Wal­ter Lüb­cke. Damit gab sie den Anstoß für das jüngs­te Wie­der­auf­le­ben der Dis­kus­si­on um eine Klar­na­men­pflicht im Inter­net.

Ich neh­me die­se zum Anlass, auf Basis eini­ger Über­le­gun­gen zu Anony­mi­tät, Wahr­heit und Mei­nungs­frei­heit für eine frei­wil­li­ge Ver­wen­dung von Klar­na­men im Inter­net zu plä­die­ren.

→ wei­ter­le­sen

Die Entmenschlichung des Gegners am Beispiel Trump

Bild von kays­geog (CC)

Anfang Juni berich­te­ten diver­se deut­sche Medi­en von einem neu­er­li­chen »Eklat« um den US-Prä­si­den­ten Donald Trump. Die­ser habe vor sei­nem Staats­be­such im Ver­ei­nig­ten König­reich den Lon­do­ner Bür­ger­meis­ter Sadiq Khan per Twit­ter »atta­ckiert«, hieß es in Soci­al-Media-Pos­tings, Über­schrif­ten und Anrei­ßern.

Man muss­te sich tief in die dazu­ge­hö­ri­gen Arti­kel vor­ar­bei­ten, um zu erfah­ren, dass Trump mit den frag­li­chen zwei Tweets auf einen vor­an­ge­gan­ge­nen Angriff Khans reagiert hat­te. Bei man­chen erfuhr man es gar nicht. Bei kei­nem erhielt man einen Ein­druck des Umfangs und der Schär­fe von Khans Angriff.

Die Gleich­för­mig­keit die­ser Bericht­erstat­tung ist ein schö­nes Bei­spiel dafür, wie sich die Eisen­spä­ne im Feld eines mora­li­schen Elek­tro­ma­gne­ten aus­rich­ten. Trump ist für die­se Medi­en das Frem­de, das Ande­re, das Böse. Als sol­ches steht er außer­halb der Welt zwi­schen­mensch­li­cher Ver­bind­lich­keit. Wenn er ange­grif­fen wird, erscheint das daher nor­mal und nicht wei­ter erwäh­nens­wert. Er ist der­je­ni­ge, der den Frie­den stört, schon allein dadurch, dass er im Amt ist. Er ist der Angrei­fer, egal wie der kon­kre­te Sach­ver­halt aus­sieht. Ihm gegen­über sind kei­ne Fair­ness­re­geln ein­zu­hal­ten, weil bereits sei­ne blo­ße Exis­tenz als Regel­ver­stoß emp­fun­den wird.

→ wei­ter­le­sen

Heilige Werte und ideologische Blindheit

Vie­le unse­rer Ansich­ten über die Welt kön­nen wir von jetzt auf gleich ändern, wenn uns neue Infor­ma­tio­nen zugäng­lich wer­den. Es tut nicht weh, dau­ert nur einen Augen­blick und der kor­ri­gier­te Infor­ma­ti­ons­stand bleibt lang­fris­tig erhal­ten.

Doch es gibt eine ande­re Sor­te von Ansich­ten über die Welt, die wir mit Zäh­nen und Klau­en ver­tei­di­gen. Wir stel­len uns blind gegen Infor­ma­tio­nen, die ihnen wider­spre­chen, wer­ten sie reflex­haft ab oder wer­den rich­tig­ge­hend zor­nig auf die, die sie wei­ter­ge­ben. Über Tage, Wochen, Mona­te bekom­men wir die­se unbe­que­men Infor­ma­tio­nen nicht in unse­ren Kopf. Viel­leicht nie.

Ich will hier ver­su­chen, ein wenig zu erhel­len, was in sol­chen Fäl­len vor sich geht. Dazu tra­ge ich aus ver­schie­de­nen Quel­len Bei­spie­le und Theo­rie­an­sät­ze zusam­men.

→ wei­ter­le­sen

Culture War – ein Exposé

Wor­um geht es im Cul­tu­re War? Wel­che sozia­len und psy­chi­schen Mecha­nis­men ver­hin­dern eine Ver­stän­di­gung zwi­schen den Lagern und las­sen die Feind­schaft eska­lie­ren? War­um gehen Rech­te und Lin­ke ein­an­der an die Gur­gel, statt sach­lich dar­über zu strei­ten, wer die bes­se­ren Dia­gno­sen und Lösun­gen hat?

Seit Jah­ren reift in mir das Vor­ha­ben, ein Buch über die­se Fra­gen zu schrei­ben. Ein Buch mit dem Anlie­gen, uns die Dyna­mi­ken kla­rer bewusst zu machen, in die wir ver­strickt sind, um wenigs­tens einen Teil unse­rer blin­den Ver­stri­ckung in ver­nunft­ge­lei­te­tes Han­deln zu ver­wan­deln.

→ wei­ter­le­sen