Wokeness, Israel und die Juden

Fol­gen­der Text ist aus den Noti­zen ent­stan­den, die ich mir für den vor­gest­ri­gen Pod­cast gemacht hatte.

Vie­le Lin­ke, vor allem in den USA, sehen den Ter­ror­an­schlag von Hamas am 7. Okto­ber als revo­lu­tio­nä­ren Akt im Rah­men des revo­lu­tio­nä­ren Pro­jekts, auf das all ihre Mühen gerich­tet sind, und Isra­el ent­spre­chend als Teil und Sym­bol der Unter­drü­ckungs­sys­te­me, die sie bekämpfen.

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Die narzisstische Fälschung der Wirklichkeit

Am 13. Juli 2023 nahm sich in Toron­to ein Leh­rer und Schul­lei­ter namens Richard Bilksz­to im Alter von 60 Jah­ren das Leben. Gut zwei Jah­re zuvor hat­te Kike Ojo-Thomp­son die Zer­stö­rung sei­ner bis dahin tadel­lo­sen Kar­rie­re und Repu­ta­ti­on ein­ge­lei­tet. Als Aus­rich­te­rin eines soge­nann­ten Anti­ras­sis­mus-Trai­nings, an dem Bilkst­zo teil­nahm, hat­te sie ihn vor rund 200 Mit­ar­bei­tern der öffent­li­chen Schul­ver­wal­tung im Bezirk Toron­to als Nega­tiv­bei­spiel eines bor­nier­ten, pri­vi­le­gier­ten Wei­ßen ange­pran­gert, der sich gegen Auf­klä­rung über Ras­sis­mus sperrt. Das hat­te genügt, ihn in sei­nem Berufs­um­feld in Ungna­de fal­len zu las­sen, obwohl die Anschul­di­gung sicht­lich aus der Luft gegrif­fen war.

Wie üblich, wenn per­sön­li­ches Risi­ko im Spiel ist, schwie­gen die meis­ten Zeu­gen des Unrechts. Nie­mand stell­te sich hin­ter ihn. Man­che tra­ten beherzt nach. Nun zog er die letz­te Kon­se­quenz daraus.

Ojo-Thomp­son erklär­te Bilksz­to zu einem „Lehr­stück“, doch das wah­re Lehr­stück ist sie selbst. Woke­ness ist das per­fek­te Öko­sys­tem für nar­ziss­ti­sches Miss­brauchs­ver­hal­ten. Sie ist wie dafür gemacht, Nar­ziss­mus und ver­wand­ten Dis­po­si­tio­nen einen legi­ti­mie­ren­den ideo­lo­gi­schen Rah­men zu ver­lei­hen. Viel­leicht ist sie dafür gemacht.

Es ent­sprä­che etwa dem, was in Sek­ten pas­siert. Ein Nar­zisst oder Psy­cho­path über­zeugt eini­ge Men­schen von einem erlo­ge­nen Glau­bens­sys­tem, das ihn als beson­ders her­vor­hebt – beson­ders klug, beson­ders wis­send, beson­ders hei­lig. Sie machen dabei mit, weil dadurch ein Abglanz die­ser Beson­der­heit auf sie fällt. Indem sie sich dem Guru mit­samt sei­nen Lau­nen und Zumu­tun­gen unter­ord­nen, wer­den sie Mit­glie­der einer exklu­si­ven Gemein­schaft von Aus­er­wähl­ten, die allen Außen­sei­tern über­ge­ord­net sind – klü­ger, wis­sen­der, hei­li­ger. Das ist der Lohn dafür, dass sie das Lügen­ge­bäu­de des Gurus mit­tra­gen. Sie wer­den von ihm nar­ziss­tisch miss­braucht und im Zuge ihres Mit­tuns selbst zu nar­ziss­ti­schen Miss­brau­chern. Der Haupt­un­ter­schied ist, dass Woke­ness nicht einen gro­ßen Guru hat, son­dern vie­le klei­ne, mitt­le­re und vor allem: mittelmäßige.

Wei­ter im »Sand­wirt«

Stakeholder-Kapitalismus: Ein Gespenst geht um in der Wirtschaft

Die­ser Text ist ursprüng­lich bei »Der Sand­wirt« erschie­nen.

Manch­mal durch­weht ein Hauch von DDR die Film­be­wer­tungs­por­ta­le im Inter­net. Die aktu­el­le Real­film-Neu­fas­sung von Dis­neys Klas­si­ker „Ari­el­le, die Meer­jung­frau“ erreich­te bei Rot­ten Toma­toes nach ihrem Kino­start am 26. Mai in der Publi­kums­be­wer­tung sagen­haf­te 95 Pro­zent Zustim­mung. Das war uner­war­tet, denn der Film war bereits seit Mona­ten ein Zank­ap­fel im Kul­tur­kampf gewe­sen. Dies hat­te sich etwa in einer desas­trö­sen „Ratio“ sei­ner Vor­schau auf You­Tube geäu­ßert, also einem viel­fa­chen Über­wie­gen der Klicks auf „Dau­men run­ter“. Ähn­lich war es letz­ten Som­mer den Ankün­di­gun­gen von „Die Rin­ge der Macht“ ergan­gen, der „Herr der Ringe“-Adaption von Ama­zon. Im Herbst erwies sich dann die unzu­frie­de­ne You­Tube-Öffent­lich­keit als ver­läss­li­ches Omen – die exor­bi­tant teu­re ers­te Staf­fel der Serie flopp­te. Ihre Publi­kums­be­wer­tung bei Rot­ten Toma­toes lan­de­te bei 39 Pro­zent. Weit ent­fernt von 95.

Auch bei der Film­da­ten­bank IMDB bot sich ein frag­wür­di­ges Bild. Die agg­re­gier­te Nut­zer­be­wer­tung für „Ari­el­le“ lag knapp ober­halb einer 7 von 10; ein gutes Ergeb­nis. Doch bei nähe­rem Hin­se­hen stieß man auf einen Ver­merk, dass auf­grund „unge­wöhn­li­cher Bewer­tungs­ak­ti­vi­tät“ eine „alter­na­ti­ve Gewich­tungs­kal­ku­la­ti­on“ zur Anwen­dung gekom­men sei. Die unge­wich­te­te Gesamt­wer­tung beweg­te sich dem­zu­fol­ge zwi­schen 4 und 5.

Wie üblich recht­fer­tig­ten bran­chen­na­he Medi­en das Her­aus­fil­tern schlech­ter Bewer­tun­gen, indem sie die­se Ras­sis­ten zuschrie­ben. Dem­nach stößt sich die Öffent­lich­keit an der schwar­zen Schau­spie­le­rin Hal­le Bai­ley in der Haupt­rol­le. Sogar in der „Welt“ war kürz­lich zu lesen, dass die Beset­zung schwar­zer Schau­spie­ler „man­chen zu weit“ gehe. Das wäre aller­dings etwas Neu­es. Schwar­ze Schau­spie­ler wie Will Smith, Zoe Sal­da­ña und Den­zel Washing­ton sind hoch­do­tier­te Top­stars. „Black Pan­ther“ spiel­te 2018 mit schwar­zem Ensem­ble und Regis­seur mehr als 1,3 Mil­li­ar­den US-Dol­lar ein, davon 700 Mil­lio­nen in den USA. Aktu­ell räumt „Across the Spi­der-Ver­se“ an der Kino­kas­se ab und wird von Medi­en und Publi­kum gefei­ert. Haupt­fi­gur ist Miles Mora­les, ein schwar­zer Spi­der-Man. Wenn Ras­sis­mus der Grund für den Ari­el­le-Flop ist, schlägt die­ser Ras­sis­mus merk­wür­dig selek­tiv zu.

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Jung, woke, depressiv: Die psychologische Krise der Linken

Die­ser Text ist ursprüng­lich bei »Der Sand­wirt« erschie­nen. Ich habe das The­ma außer­dem in zwei Vide­os vertieft:


War­um haben die Woken eigent­lich immer bes­se­re Lau­ne als die Anti-Woken?“, erkun­dig­te sich Geor­gi­ne Kel­ler­mann (WDR) vor ein paar Wochen auf Twit­ter. Die Fra­ge über­rascht, wenn man den Zorn der berüch­tig­ten Twit­ter-Mobs, das zwang­haf­te Dau­er­pro­ble­ma­ti­sie­ren von allem und jedem und die für Tik­Tok mit­ge­film­ten Ner­ven­zu­sam­men­brü­che kennt, die für die­ses Milieu cha­rak­te­ris­tisch sind.

Anders aus­ge­drückt: Sie haben mit an Sicher­heit gren­zen­der Wahr­schein­lich­keit kei­ne bes­se­re Lau­ne, von „immer“ ganz zu schwei­gen. Zahl­rei­che Stu­di­en bele­gen, dass Kon­ser­va­ti­ve fast über­all auf der Welt mit ihrem Leben zufrie­de­ner sind als Lin­ke, wäh­rend Letz­te­re häu­fi­ger von Depres­sio­nen, Ängs­ten und psy­chi­scher Krank­heit geplagt sind. Hin­zu kommt als aku­ter Befund, dass seit etwa 2012 die psy­chi­sche Gesund­heit der jun­gen Gene­ra­ti­on abstürzt. Davon sind Mäd­chen und Frau­en stär­ker betrof­fen als Jun­gen und Män­ner, Wei­ße stär­ker als Dun­kel­häu­ti­ge – und mit Abstand Lin­ke stär­ker als Konservative.

Mehr als 50 Pro­zent der 18- bis 29-jäh­ri­gen lin­ken Frau­en in den USA gaben 2020 bei­spiels­wei­se an, schon ein­mal mit einem psy­chi­schen Lei­den dia­gnos­ti­ziert wor­den zu sein. Bei den lin­ken Män­nern die­ser Alters­grup­pe waren es knapp über 30 Pro­zent. Die ent­spre­chen­den Zah­len im kon­ser­va­ti­ven Lager: rund 20 und knapp 14 Prozent.

Gra­fik: Jona­than Haidt mit Daten von Pew Research

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Wer ist für Gendersprache?

Die FAZ berich­tet über eine aktu­el­le Stu­die zur Akzep­tanz des Gen­der­sterns, die auch selbst im Netz ver­füg­bar ist. Sie gibt anhand eini­ger Kor­re­la­tio­nen Auf­schluss dar­über, wel­che per­sön­li­chen Merk­ma­le eine posi­ti­ve Hal­tung zum Gen­der­stern begüns­ti­gen. Vie­les davon ist nicht neu, aber ein inter­es­san­ter Aspekt ist es doch, und alles zusam­men ergibt ein inter­es­san­tes Bild.

Eine Beson­der­heit der Stu­die ist die indi­rek­te Art, durch die die Hal­tun­gen zum Gen­der­stern ermit­telt wur­den. Die rund 10.000 Befrag­ten wuss­ten nicht, dass dies das eigent­li­che The­ma der Stu­die war, son­dern wur­den gebe­ten, aus­zu­wäh­len, wel­che Ver­si­on des Fra­ge­bo­gens sie bear­bei­ten woll­ten: eine mit Gen­der­stern oder mit gene­ri­schem Mas­ku­li­num. Sie glaub­ten also, dass es sich dabei nur um eine For­ma­lie der Befra­gung han­del­te, die gar nicht erfasst wird. Das erhöht die Chan­ce auf ehr­li­che Ant­wor­ten im Hin­blick auf die eige­nen Präferenzen.

Ins­ge­samt haben 21 Pro­zent der Befrag­ten für die Ver­si­on mit Gen­der­stern optiert. 75 Pro­zent wähl­ten das gene­ri­sche Mas­ku­li­num, der Rest traf kei­ne Ent­schei­dung. Das ent­spricht grob dem Bild reprä­sen­ta­ti­ver Mei­nungs­um­fra­gen der letz­ten Jah­re (hier ist eine aktu­el­le).

Wei­te­re Befunde:

  • Frau­en wähl­ten häu­fi­ger den Gen­der­stern als Män­ner, näm­lich zu 27 Pro­zent gegen­über 16 Pro­zent. Das ist ein deut­li­cher Unter­schied, aber nicht deut­lich genug, um den Gen­der­stern als For­de­rung »der Frau­en« hin­zu­stel­len, der sich »die Män­ner« veschlös­sen, wie es wei­ter­hin oft geschieht. Eine gro­ße Mehr­heit der Frau­en lehnt den Gen­der­stern ab.
  • Ähn­lich ver­hält es sich bei den Alter­grup­pen. Befrag­te im Alter von 14 bis 30 Jah­ren wähl­ten zu knapp 40 Pro­zent den Gen­der­stern. Das ist eine Men­ge, ins­be­son­de­re im Kon­trast zu den nur rund 15 Pro­zent der über 60-Jäh­ri­gen. Aber auch bei den Jun­gen ist es kei­ne Mehrheit.
  • Sogar Per­so­nen, die »divers« als Geschlecht ange­ben, optie­ren mehr­heit­lich für das gene­ri­sche Mas­ku­li­num, wenn auch knapp.
  • Wenig über­ra­schend fin­det der Gen­der­stern in den lin­ken Par­tei­en die meis­te Zustim­mung. Bei den Anhän­gern der Par­tei VOLT fin­det er sogar eine Mehr­heit. Unter den Grü­nen­an­hän­gern kom­men die Befür­wor­ter auf 45 Pro­zent. Bei den Lin­ken­an­hän­gern sind es 35 Pro­zent, bei SPD-Anhän­gern 25. 
  • Unter den Anhän­gern der übri­gen Par­tei­en liegt der Anteil der­je­ni­gen mit Wunsch nach Gen­der­stern durch­weg unter 10 Prozent.
  • Auch auf einer all­ge­mei­nen Rechts-Links-Ska­la zeigt sich die­se Ten­denz – je wei­ter man nach links rückt, des­to belieb­ter wird der Gen­der­stern, und umgekehrt.
  • Außer­dem kor­re­liert die Gen­der­stern-Prä­fe­renz mit einem hohen Bil­dungs­grad, einem hohen Ein­kom­men (hust Luxu­ry Beliefs hust) und einem städ­ti­schen Wohnsitz.

Nichts davon ist beson­ders über­ra­schend. Doch die Stu­die erwähnt auch einen Fak­tor, von dem man in den übli­chen Umfra­gen eher noch nicht gehört hat:

Ins­be­son­de­re Per­so­nen, die eine hohe Zustim­mung zu staat­li­chen Ein­grif­fen zei­gen, haben eine höhe­re Wahr­schein­lich­keit, die geschlech­ter­ge­rech­te Ver­si­on zu wäh­len. Die­se Varia­ble hat sich mit deut­li­chem Abstand als der erklä­rungs­mäch­tigs­te Fak­tor in der Ana­ly­se erwiesen.

Kann man also sagen, dass Gen­der­spra­che pri­mär von gut situ­ier­ten auto­ri­tä­ren Lin­ken in den Städ­ten aus­geht? Es wäre inter­es­sant, das ein­mal mit einer Auto­ri­ta­ris­mus­ska­la zu über­prü­fen. Die Annah­me liegt nahe, dass eine glo­ba­le Nei­gung zur Befür­wor­tung staat­li­cher Ein­grif­fe Aus­druck einer auto­ri­tä­ren Ein­stel­lung ist. Eine unver­öf­fent­lich­te Stu­die von Jor­dan Peter­son ergab vor Jah­ren, dass die Anhän­ger poli­ti­scher Kor­rekt­heit sich in zwei Lager spal­ten: Ega­li­tä­re und Auto­ri­tä­re. Das wür­de zu die­sen Befun­den pas­sen. Die Befür­wor­tung des Gen­derns kor­re­liert mit links, erreicht aber auch links kei­ne Mehr­heit. Es ist nur eine Teil­grup­pe der Linken.

Wenn jeden­falls frag­men­ta­risch aus einer Woke­ness­kon­fe­renz her­aus­dringt, dass Die­ter Nuhr von einer »macht­vol­len klei­nen Eli­te« gespro­chen hat, die »ver­sucht zu steu­ern«, scheint das Bild, das obi­ge Zah­len beschrei­ben, damit ganz gut getrof­fen. Alle­mal bes­ser als mit der Reak­ti­on der grü­nen poli­ti­schen Ver­tre­ter jener gut situ­ier­ten auto­ri­tä­ren Lin­ken in den Städ­ten, die in Nuhrs Aus­sa­ge ohne jede Beach­tung des Kon­texts »struk­tu­rel­len Anti­se­mi­tis­mus« ent­deckt haben woll­ten. Getrof­fe­ne Hünd*innen bellen.

Im bunten Bällebad der Menschheitsbeglückung

Die­ser Text ist ursprüng­lich bei »Der Sand­wirt« erschie­nen.


Wenn man die Pan­de­mie Revue pas­sie­ren lässt, muss man natür­lich sagen, dass Grund­rech­te Abwehr­rech­te gegen­über staat­li­chen Maß­nah­men sind und – das ist ja auch gericht­lich fest­ge­stellt wor­den – dass die eine oder ande­re Maß­nah­me sicher­lich auch unver­hält­nis­mä­ßig gewe­sen ist.“ 

Dies sind die Wor­te von Edgar Fran­ke, par­la­men­ta­ri­scher Staats­se­kre­tär beim Gesund­heits­mi­nis­ter, geäu­ßert in der Fra­ge­stun­de im Bun­des­tag am 15. März 2023. „Ich mei­ne die­se Geschich­te, dass man nachts nicht raus­durf­te. Auch der Minis­ter hat bei­spiels­wei­se aus­drück­lich gesagt, dass es in der zwei­ten, drit­ten, vier­ten Wel­le sicher­lich pro­ble­ma­tisch war, dass an den Schu­len kein Unter­richt statt­ge­fun­den hat. Das hat sicher­lich sozia­le Aus­wir­kun­gen auf Schü­ler und Schü­le­rin­nen gehabt, die zum Teil schwer­wie­gend waren.“

Inzwi­schen räu­men auch höchs­te Stel­len ein, dass die staat­li­chen Covid-Maß­nah­men teil­wei­se zu weit gegan­gen sind und mehr gescha­det als genützt haben. In den Vor­jah­ren aller­dings ging die­se Poli­tik vie­len umge­kehrt noch nicht weit genug. Dazu gehö­ren die Unter­stüt­zer der Initia­ti­ve „Zero Covid“, die sich zum Ziel gesetzt hat­te, Covid voll­stän­dig aus­zu­rot­ten, wie es trotz bru­ta­ler Lock­downs auch in Chi­na nicht gelun­gen ist. „Die Maß­nah­men der Regie­rung rei­chen nicht aus“, heißt es im Auf­ruf der Initia­ti­ve vom 12. Janu­ar 2021. „Das Ziel darf nicht in 200, 50 oder 25 Neu­in­fek­tio­nen bestehen – es muss Null sein.“ 

Dies soll­te durch einen „soli­da­ri­schen Shut­down“ erreicht wer­den, „eine soli­da­ri­sche Pau­se von eini­gen Wochen“. Betrie­be und Schu­len müss­ten „geschlos­sen und die Arbeits­pflicht aus­ge­setzt wer­den“, und zwar, „bis die oben genann­ten Zie­le erreicht sind“. 

Flan­kie­rend for­der­te die Initia­ti­ve ein „umfas­sen­des Ret­tungs­pa­ket für alle“, geziel­te Unter­stüt­zung beson­ders vom Shut­down betrof­fe­ner Grup­pen, einen mas­si­ven Um- und Aus­bau der Gesund­heits­in­fra­struk­tur und eine Ver­staat­li­chung von Impf­stof­fen. Mit dem „enor­men Reich­tum“ der euro­päi­schen Gesell­schaf­ten sei all das „pro­blem­los finan­zier­bar“. Zwecks Zugriff auf die­sen Reich­tum sieht die Zero-Covid-Stra­te­gie „die Ein­füh­rung einer euro­pa­wei­ten Covid-Soli­da­ri­täts­ab­ga­be auf hohe Ver­mö­gen, Unter­neh­mens­ge­win­ne, Finanz­trans­ak­tio­nen und die höchs­ten Ein­kom­men“ vor.

Ins­be­son­de­re in Anbe­tracht der letz­te­ren Poin­te ver­wun­dert es nicht, dass sich die Unter­zeich­ner­lis­te liest wie ein Who’s Who der deutsch­spra­chi­gen lin­ken Medi­en­pro­mi­nenz. (Die Web­site gibt es nicht mehr, aber man fin­det eine Kopie im Inter­net­ar­chiv unter archive.org.) 

Doch wie kommt das eigent­lich? Was hat die Befür­wor­tung har­ten Durch­grei­fens zur Bekämp­fung eines Virus mit einer lin­ken poli­ti­schen Ori­en­tie­rung zu tun?

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Die doppelplusgute neue Sensibilität

Die­ser Text ist ursprüng­lich bei bei »Der Sand­wirt« erschie­nen.


Die For­de­rung der Ideo­lo­gie ist die, dass der Mensch – ein unbe­re­chen­ba­res und spon­ta­nes Wesen – auf­hört, als sol­cher zu exis­tie­ren, und dass alle Men­schen Ent­wick­lungs­ge­set­zen unter­wor­fen wer­den, die einer ideo­lo­gi­schen Wahr­heit fol­gen. Des­halb ver­langt die Abkehr von einer unzu­ver­läs­si­gen Rea­li­tät hin zu einer kohä­ren­ten Fan­ta­sie eine abso­lu­te Aus­lö­schung mensch­li­cher Spon­ta­ni­tät und Freiheit.“

Dies schrieb Roger Ber­ko­witz, aka­de­mi­scher Direk­tor des Han­nah Are­ndt Cen­ter for Poli­tics and Huma­ni­ties in einem Bei­trag über die Rea­li­täts­flucht des Tota­li­ta­ris­mus letz­tes Jahr für das Maga­zin „Quil­let­te“. Doch es könn­te sich genau­so gut um eine Auf­ga­ben­be­schrei­bung für einen der soge­nann­ten „Sen­si­ti­vi­ty Rea­der“ han­deln, die neu­er­dings in Ver­la­gen ihr Unwe­sen treiben.

Sen­si­ti­vi­ty Rea­der sind sozu­sa­gen die Polit­kom­mis­sa­re unter den Lek­to­ren. Sie küm­mern sich im Auf­trag von Ver­la­gen dar­um, dass ent­ste­hen­de Tex­te in poli­tisch kor­rek­ten Bah­nen blei­ben, oder bear­bei­ten sogar älte­re Wer­ke ent­spre­chend nach. In den letz­ten Wochen wur­de bei­spiels­wei­se bekannt, dass die berühm­ten Kin­der­bü­cher von Roald Dahl sowie die James-Bond-Roma­ne von Ian Fle­ming für Neu­aus­ga­ben poli­tisch kor­rekt über­ar­bei­tet wur­den. Immer­hin folg­te dar­auf der ver­dien­te öffent­li­che Aufschrei.

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