Der blinde Hass auf Jordan Peterson

Cathy Newman im Peterson-Interview

Auch der Tages­spie­gel fragt natür­lich nicht, was füh­ren­de Intel­lek­tu­el­le, Wis­sen­schaft­ler und Per­sön­lich­kei­ten wie Ste­ven Pin­ker (Wiki), Richard Daw­kins (Wiki), Jona­than Haidt (Wiki), Camil­le Paglia (Wiki), Roger Pen­ro­se (Wiki) John McW­hor­ter (Wiki), Glenn Lou­ry (Wiki), David Buss (Wiki), Sam Har­ris (Wiki), Bjørn Lom­borg (Wiki), Iain McGilchrist (Wiki), Lex Fri­d­man (Wiki), Robert Tri­vers (Wiki), Bret Wein­stein (Wiki), Roger Scrut­on (Wiki), Rus­sell Brand (Wiki), Chloé Val­da­ry (Wiki), Micha­el Shel­len­ber­ger (Wiki), Micha­el Sher­mer (Wiki), Ste­ven Hicks (Wiki) Bari Weiss (Wiki), Ste­ven Fry (Wiki), Aya­an Hirsi Ali (Wiki), Dou­glas Mur­ray (Wiki), Mat­thew McCo­naug­hey (Wiki), Wim Hof (Wiki) oder Yeon­mi Park (Wiki) von Jor­dan Peter­son hal­ten, die alle mit ihm öffent­lich auf­ge­tre­ten sind (Vide­os ver­linkt), vie­le davon unter aus­drück­li­chen Respektsbekundungen.

Natür­lich fragt er auch nicht, was Aber­mil­lio­nen von Zuschau­ern und Lesern von ihm hal­ten, oder schaut nach, ob die Kom­men­ta­re unter Peter­sons Vide­os den Ein­druck ver­mit­teln, dass sich dort Rechts­ex­tre­me, Frau­en­has­ser und Kapi­tol­stür­mer tum­meln (Spoi­ler: nein, das tun sie nicht). 

Den Tages­spie­gel inter­es­siert nur, was 300 ver­stör­te Ber­li­ner Jugend­li­che von Peter­son hal­ten, die in einem schlecht geschrie­be­nen anony­men Blog­ar­ti­kel Lügen, Hal­lu­zi­na­tio­nen und auf win­zi­gen, unver­stan­de­nen Peter­son-Frag­men­ten wuchern­de Fan­ta­sien über ihn auf­ge­türmt haben wie eine Cathy New­man nach fünf Jah­ren Crys­tal Meth, und die dann zum Ver­an­stal­tungs­ort sei­nes Auf­tritts erschie­nen sind, um dort papa­gei­en­haft ihre Buz­z­words auf­zu­sa­gen (»ras­sis­tisch«, »sexis­tisch«, »homo­phob«, »Patri­ar­chat« etc.). Für die Qua­li­tät ihrer Ankla­ge­schrift steht exem­pla­risch die Stel­le, an der sie behaup­ten, Peter­son wür­de frau­en­feind­li­che Vide­os über »Fems­p­lai­ning« auf You­Tube hoch­la­den. Hin­ter­grund: Peter­son war mal zu einem Pod­cast ein­ge­la­den, den die zwei Gast­ge­berinnen selbst­iro­nisch »Fems­p­lai­ners« genannt haben. Das ist alles, was er mit dem Wort zu tun hat.

Oder die­se Stelle:

Ein Mann müs­se eine domi­nan­te Figur sein – Frau­en und weib­li­che Attri­bu­te wür­den die­ser »männ­li­chen Selbst­ver­wirk­li­chung« schaden.

Die Ver­fas­ser benut­zen wie­der­holt Anfüh­rungs­stri­che, um Zita­te vor­zu­täu­schen, wo sie eigent­lich nur ihrer Fan­ta­sie Aus­druck geben. Die­ser Mann, der stän­dig für die Ehe wirbt, der die Über­nah­me von Ver­ant­wor­tung für eine Fami­lie als gute Quel­le von Lebens­sinn sieht, der ein dau­er­haf­tes Sin­gle­da­sein als »Weg in den Wahn­sinn« für die meis­ten Men­schen ein­schätzt und der vor Jah­ren die MGTOW (»Men Going Their Own Way«), die Part­ner­schaf­ten mit Frau­en ableh­nen, dafür als »arm­se­li­ge Wie­sel« bezeich­net hat, soll behaup­ten, dass Frau­en der männ­li­chen Selbst­ver­wirk­li­chung scha­den. Ja, ganz bestimmt. 

Das mit der »domi­nan­ten Figur« ist eben­falls Unsinn. Ja, da kommt irgend­wo das Wort »domi­nan­ce« vor, es bedeu­tet aber nicht, was hier sug­ge­riert wird. Es geht um sozia­le Hier­ar­chien, die in der Bio­lo­gie »domi­nan­ce hier­ar­chy« hei­ßen, wobei Peter­son immer wie­der betont, dass die Hier­ar­chien in einer Gesell­schaft, die kei­ne Tyran­nei ist, auf Kom­pe­tenz beru­hen und nicht auf Macht. Inso­fern ja, er plä­diert dafür, sich Kom­pe­tenz anzu­eig­nen. Aber das rich­tet sich nicht nur an Män­ner und bedeu­tet nicht, dass die Män­ner die Frau­en domi­nie­ren sol­len. Das ist Fantasie.

Die­se 300 anony­men Genies jeden­falls sind für den Tages­spie­gel maß­geb­lich und sonst nie­mand. Was die behaup­ten, wird blind über­nom­men. Wei­te­re Recher­che überflüssig.

Sonst könn­te einem schon auf­fal­len, dass für die ste­reo­typ wie­der­hol­te Behaup­tung, Peter­son sei eine Gal­li­ons­fi­gur der Alt-Right, oder hier der »Neu­en Rech­ten«, nie auch nur der Hauch eines Bewei­ses ange­bo­ten wird. Prin­zi­pi­ell wäre es ja mög­lich, so etwas zu bele­gen. Man könn­te auf eine Füh­rungs­fi­gur der Neu­en Rech­ten ver­wei­sen, die Peter­son gelobt hat, wenn es eine gibt. Auf Blogs, Video­ka­nä­le oder ande­re Orga­ne der Neu­en Rech­ten, die Peter­son fei­ern, wenn es wel­che gibt. Oder auf Kund­ge­bun­gen der Neu­en Rech­ten, die an Peter­son ange­lehn­te Paro­len ver­wen­det haben, wenn es wel­che gab. Aber da kommt nichts. Gar nichts. 

Der »Dai­ly Stor­mer« ist ein bekann­tes rechts­ex­tre­mes Organ. Was hält man da von Peterson?

Hier der Link zur Site-Suche nach »Peter­son« beim Dai­ly Stor­mer – da ist noch viel mehr.

Die pro­mi­nen­tes­te mir bekann­te Per­son, die der Alt-Right zuge­rech­net wird und sich selbst ihr zurech­net, ist Theo­do­re Bea­le, Künst­ler­na­me Vox Day. Er hasst Peter­son, bezeich­net ihn als Schar­la­tan und Sek­ten­füh­rer und hat ein Buch über ihn geschrie­ben, das in Anspie­lung an »Dia­ne­tics« von L. Ron Hub­bard (Sci­en­to­lo­gy) »Jor­da­ne­tics« heißt.

Ich bin jeder­zeit bereit, even­tu­el­le Bewei­se dafür zur Kennt­nis zu neh­men, dass die Alt-Right oder ande­re Rechts­ex­tre­me Jor­dan Peter­son fei­ern, aber ich habe bis­her kei­ne gesehen.

Die Behaup­tung ist auch wenig plau­si­bel, da Peter­son das sou­ve­rä­ne Indi­vi­du­um und den Libe­ra­lis­mus hoch­hält und jede Iden­ti­täts­po­li­tik ablehnt. Ich glau­be ger­ne, dass Peter­son (oder »Pet­ter­son«, wie eine Red­ne­rin auf der Pro­test­kund­ge­bung zu sagen pfleg­te, was einen Ein­druck von ihrer Recher­che­tie­fe ver­mit­telt – aber wozu sich infor­mie­ren, bevor man Men­schen ver­leum­det? Haupt­be­ruf­li­che Jour­na­lis­ten sehen ja auch kei­nen Grund dazu) bei den Ber­li­ner 300 und bei Tages­spie­gel-Redak­teu­ren ähn­lich schlech­te Gefüh­le im Bau­chi aus­löst, wie es Rechts­ex­tre­me tun. Dar­aus folgt aber nicht, dass sie die­sel­be Posi­ti­on ver­tre­ten – vom Links­pol aus ist alles rechts.

Das Pro­jekt von neu­er Rech­ter und Alt-Right, über­haupt das Pro­jekt jeder äuße­ren Rech­ten ist in irgend­ei­ner Form die Besin­nung auf ein Wir, die Kul­ti­vie­rung einer Wir-Iden­ti­tät als Wei­ße, als West­ler oder was auch immer, mit dem Ziel eines kol­lek­ti­ven Auf­bruchs, um sich gegen »die« zu behaup­ten. Peter­sons Ableh­nung jeg­li­cher Pro­jek­te die­ser Art muss für die extre­me Rech­te ein Ärger­nis und eine unver­söhn­li­che Dif­fe­renz sein, und sie ist es auch. Im Zen­trum sei­ner Phi­lo­so­phie steht das Indi­vi­du­um und die Über­nah­me von Ver­ant­wor­tung für sich selbst, und soweit man die geschul­tert hat, für ande­re. Sei­ne Lebens­re­gel »Put your house in per­fect order befo­re you cri­ti­ci­ze the world« ist nicht nur für lin­ke Akti­vis­ten ein Affront.

Hier ist eine Ant­wort Peter­sons auf eine ein­schlä­gi­ge Fra­ge im Rah­men einer Ver­an­stal­tung im Früh­jahr 2018:

Fra­ge: Pro­fes­sor Ricar­do Duches­ne, his­to­ri­scher Sozio­lo­ge und Pro­fes­sor an der Uni­ver­si­tät von New Bruns­wick, argu­men­tiert: »Indi­vi­dua­lis­mus ist ein ein­zig­ar­ti­ges Merk­mal der euro­päi­schen Völ­ker. Er wur­de im gewis­sem Umfang in ande­re Län­der expor­tiert, aber aus mei­ner Sicht geht er dort nicht ohne Wei­te­res in Fleisch und Blut über.« Also, fährt er fort, »kann man nicht das Spiel ›Wir sind alle Indi­vi­du­en‹ spie­len. Wir müs­sen unse­re eth­ni­sche Iden­ti­tät und unser Erbe affir­ma­tiv anneh­men und stolz dar­auf sein, um den eigen­ar­ti­gen Indi­vi­dua­lis­mus des Wes­tens zu bewah­ren.« … Es wür­de mich nicht über­ra­schen, wenn Duches­ne bei die­ser Aus­sa­ge an Sie gedacht hätte.

Peter­son: Schau­en Sie. Die Euro­pä­er des Mit­tel­al­ters haben aus gutem Grund sie­ben Tod­sün­den iden­ti­fi­ziert, und eine davon war Stolz. … Ich glau­be, dass der Wes­ten aus Grün­den, die nicht offen­sicht­lich sind, eini­ges rich­tig gemacht hat. Wir haben die Sou­ve­rä­ni­tät des Indi­vi­du­ums rich­tig erfasst. Das ist das Grund­le­gends­te, was wir rich­tig gemacht haben. Wir haben das, den­ke ich, auf bemer­kens­wer­te Wei­se arti­ku­liert, nicht nur theo­lo­gisch, phi­lo­so­phisch, in unse­ren Geset­zen, in unse­ren Gesell­schaf­ten. Und eine der Fol­gen davon war, indem es Aus­wir­kun­gen auf den Rest der Welt hat­te, dass alle ziem­lich schnell rei­cher wer­den, und das ist eine wirk­lich gute Sache. Das dazu. Aber bin ich nun stolz dar­auf? Das ist doch nicht mein Ver­dienst. Was zum Teu­fel, Stolz, was ist das? Das ist nicht die rich­ti­ge Ant­wort. Wie wäre es mit Ver­ant­wor­tung dafür? Wie wäre es damit? Sie sind Teil die­ser groß­ar­ti­gen und unwahr­schein­li­chen Rei­he von Annah­men, die­ser selt­sa­men Rei­he von Annah­men, die besa­gen, dass der ärms­te Mensch auf eine unbe­schreib­li­che Art genau­so wert­voll ist wie der König. Wie zum Teu­fel haben wir das her­aus­ge­fun­den? Das ist unmög­lich zu den­ken, und doch ist es das Fun­da­ment unse­res Rechts­sys­tems. Das ist nichts, wor­auf man stolz sein soll­te, das ist etwas, wovor man erzit­tert, das man als ethi­sche Ver­pflich­tung annimmt, und nicht um zu zei­gen, wie wun­der­bar man ist, weil man zufäl­lig die glei­che Haut­far­be hat wie eini­ge der­je­ni­gen, die das erdacht haben. Das ist nicht die rich­ti­ge Ant­wort. Es geht dar­um, die Augen zu öff­nen und das als Wun­der zu erken­nen, ein rela­tiv neu­es Wun­der auf der Welt­büh­ne, und an dem Pro­zess teil­zu­neh­men, es im per­sön­li­chen und öffent­li­chen Leben auf­recht­zu­er­hal­ten. Das ist kein Stolz auf die euro­päi­sche Tra­di­ti­on. … die euro­päi­schen Städ­te sind unglaub­li­che Meis­ter­wer­ke, wes­halb sie von Pil­gern über­schwemmt wer­den, nicht wahr, Tou­ris­ten. Pil­ger, die dort­hin rei­sen, um die Schön­heit zu betrach­ten. Ich bin nicht stolz dar­auf; ich emp­fin­de es als Her­aus­for­de­rung, zu ver­su­chen, dem gerecht zu wer­den. Das ist nicht das­sel­be. Und die­se Rech­ten mit ihrem »schaut her, was wir geschaf­fen haben«, es ist … nein, ihr habt das nicht geschaf­fen. Das ist kei­ne Klei­nig­keit. Du musst dei­nen Kram in Ord­nung brin­gen, bevor du zu sagen wagst: »das war ich«. Ja, sicher, klar, du warst das. Ja, genau. Nein. Das ist schwer. Auf­zu­ste­hen und sei­nen Platz in einem sol­chen his­to­ri­schen Pro­zess ein­zu­neh­men, die­sem unwahr­schein­li­chen, wun­der­sa­men Pro­zess. Sich ange­sichts des­sen nicht für sei­ne der­zei­ti­ge Ver­fas­sung zu schä­men, bedeu­tet, dass man sich etwas vor­macht. … Sie nut­zen das unver­dien­te Geschenk, das Ihnen gege­ben wur­de, als Quel­le des per­sön­li­chen Stol­zes auf­grund der Errun­gen­schaft Ihrer Haut. Es ist … nein. Nicht gut. Kein gutes Argu­ment. Und das bedeu­tet nicht, dass die euro­päi­sche Kul­tur nichts Wert­vol­les zu bie­ten hät­te. Sie hat viel Wert­vol­les zu bie­ten. Es ist nicht ein­mal so klar, inwie­weit sie euro­pä­isch ist. Ich mei­ne, es kam aus dem Nahen Osten, wis­sen Sie, ich mei­ne … wer … das ist so wirr­köp­fig, dass man kaum weiß, wo man anfan­gen soll.

Ähn­li­che Stel­lung­nah­men sind in die­sem Fak­ten­check von 2018 ver­linkt, der die Behaup­tung, Jor­dan Peter­son sei Alt-Right, kor­rek­ter­wei­se als »falsch« bewertet.

Wo wir schon dabei sind – in letz­ter Zeit kur­sie­ren wie­der Behaup­tun­gen, Peter­son legi­ti­mie­re »Incel-Ideo­lo­gie« der­art, Män­ner hät­ten ein Recht auf Sex gegen­über Frau­en, selbst­be­stimm­te Frau­en beraub­ten Män­ner ihrer Rech­te oder der­glei­chen. Das steht schon des­halb quer zu sei­ner Phi­lo­so­phie, weil er, sie­he oben, das sou­ve­rä­ne Indi­vi­du­um hoch­hält (das beinhal­tet Frau­en) und dafür wirbt, Ver­ant­wor­tung für das eige­ne Leben zu über­neh­men. Wie das sei­ner Ansicht nach geht, steht in sei­nen Büchern. Auch sein »Self Aut­ho­ring« hilft dabei. Sich in Selbst­mit­leid zu suh­len, die Welt anzu­kla­gen und ein »Recht« auf das zu rekla­mie­ren, was man sich wünscht, ist das Gegen­teil des­sen, wofür Peter­son steht. 

Und dazu gibt es auch reich­lich Äuße­run­gen wie diese:

Was erwar­test du von Frau­en? Wenn du durch Sex schwan­ger wer­den könn­test, wärst du auch ver­dammt wäh­le­risch. Also mach dir das mal ein biss­chen klar. Und dann – fin­den sie dich nicht attrak­tiv? Tja, viel­leicht bist du es nicht. Ach­test du dar­auf, wie du dich klei­dest? Hast du einen Plan? Bist du so gebil­det, wie du sein könn­test? Bist du ein Lüg­ner? Kon­su­mierst du viel Por­no­gra­phie? Viel­leicht unter­gräbt das dei­ne Moti­va­ti­on, eine Frau zu fin­den und erwach­sen zu werden.

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Und das Fazit:

Wenn du bes­ser wärst, hät­test du auch mehr Erfolg bei Frau­en. Das muss dir klar sein. Du kannst nicht wütend auf Frau­en sein. Es ist dumm.

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Und aus dem MGTOW-Mono­log von 2017:

Was da pas­siert ist, ist, dass das Weib­li­che sich in ihrem Leben nur als der nega­ti­ve Arche­typ mani­fes­tiert hat, und das ver­wech­seln sie mit allen Frau­en. Und das ist zum Teil … du musst dich fra­gen, wenn du die mytho­lo­gi­schen Geschich­ten kennst, viel­leicht hät­test du nicht so vie­le Schwie­rig­kei­ten mit Frau­en, wenn du die rich­ti­gen Opfer gebracht hät­test. Es lohnt sich, mit die­ser Fra­ge anzu­fan­gen. Wenn du eine Frau bist, die Pro­ble­me mit Män­nern hat, oder ein Mann bist, der Pro­ble­me mit Frau­en hat, es sind nicht die Frau­en und es sind nicht die Män­ner. Du bist es. Denn die Frau­en sagen dir, was mit dir nicht stimmt. Und die Män­ner sagen dir, was mit dir nicht stimmt.

Homo­phob? Gera­de neu­lich hat Peter­son mit sei­nem Freund Dave Rubin aus­führ­lich über des­sen Vor­ha­ben gespro­chen, zusam­men mit sei­nem Ehe­mann Kin­der großzuziehen.

Trans­phob? Er stellt sich gegen die Auf­fas­sun­gen, Geschlecht sei durch Iden­ti­tät bestimmt und Iden­ti­tät sei sub­jek­tiv und uni­la­te­ral belie­big wähl­bar, und er hält geschlechts­ver­än­dern­de medi­zi­ni­sche Ein­grif­fe bei Min­der­jäh­ri­gen für bar­ba­risch. Das ist etwas ande­res als Feind­se­lig­keit gegen trans­se­xu­el­le Per­so­nen, auch wenn das für Schwarz­weiß­den­ker schwer zu ver­ste­hen ist. Peter­son ist schon vor Jah­ren mit der Trans­se­xu­el­len The­ryn Mey­er auf­ge­tre­ten (übri­gens ein hoch­in­ter­es­san­tes Gespräch), und schon auf dem Höhe­punkt des dama­li­gen Wir­bels um sei­nen Pro­test gegen ver­pflich­ten­de Neo­pro­no­men hat er sich prin­zi­pi­ell bereit erklärt, gewünsch­te Pro­no­men zu ver­wen­den, wenn ihm die Bit­te als auf­rich­tig und nicht als mani­pu­la­ti­ves Domi­nanz­spiel­chen oder poli­ti­sches Manö­ver erschei­ne. (Fun Fact: Der unsicht­ba­re Fra­ge­stel­ler im Video ist John McWhorter.)

Was noch? Die Kari­ka­tu­ren von Peter­sons augen­zwin­kern­den Hum­mer-Betrach­tun­gen in »12 Rules for Life«, die Jour­na­lis­ten uner­müd­lich für ihre Hit­pie­ces von­ein­an­der abschrei­ben, wer­den im Zuge des­sen immer düm­mer und hass­erfüll­ter. Dabei ist es eigent­lich nicht schwer zu ver­ste­hen: Gera­de weil die Hum­mer bio­lo­gisch weit von uns ent­fernt und sehr alt sind, eig­nen sich ihr Hier­ar­chie­ver­hal­ten und des­sen neu­ro­lo­gi­sche Kor­re­la­te als Beleg dafür, dass sozia­le Hier­ar­chien nicht erst mit den Men­schen oder gar bestimm­ten Gesell­schafts­for­men in die Welt gekom­men sind. Immer wie­der glau­ben Jour­na­lis­ten aus rät­sel­haf­ten Grün­den, dass ein paar in ver­ächt­li­chem Ton­fall hin­ge­rotz­te Zei­len genü­gen, um die auf kon­kre­ten For­schungs­ar­bei­ten beru­hen­den Aus­füh­run­gen über Par­al­le­len zwi­schen den Ner­ven­sys­te­men von Hum­mern und Men­schen zu wider­le­gen; und auch ihre Leser glau­ben ver­mut­lich, das alles bes­ser zu wis­sen, ohne den Text zu ken­nen oder sich je mit dem The­ma beschäf­tigt zu haben. Könn­te bei die­sem magi­schen Bes­ser­wis­sen trotz fak­ti­schen Unwis­sens viel­leicht Ideo­lo­gie im Spiel sein?

Das Her­an­zie­hen von Ver­hal­ten und Phy­sio­lo­gie von Tie­ren zum Ver­ständ­nis unse­res evo­lu­tio­nä­ren Erbes kann über­haupt nur dann erstaun­lich erschei­nen, wenn man es gewohnt ist, sich all­um­fas­sen­de Theo­rien des Men­schen empi­riefrei aus den Fin­gern zu sau­gen. Und wenn nun noch hin­zu­kommt, dass man nicht zwi­schen Seins- und Sol­lens­aus­sa­gen zu unter­schei­den ver­mag, weil im eige­nen Welt­bild Wunsch­den­ken die ein­zi­ge bestim­men­de Grö­ße ist, wird aus einem »es gibt sozia­le Hier­ar­chien und es hilft, dar­über etwas zu wis­sen« schnell ein »er will, dass es sozia­le Hier­ar­chien gibt«.

Und dann klap­pert man eif­rig empört mit den Sche­ren und tut so, als wäre es eine skan­da­lö­se Aus­sa­ge, dass Män­ner mit hohem Sta­tus für Frau­en eher attrak­tiv sind als sol­che mit nied­ri­gem. Als ob man das nicht selbst wüss­te. Als ob man kei­ne Ahnung hät­te, ob ein Rock­star oder ein Haus­meis­ter, ein Top­ma­na­ger oder ein Müll­mann, ein Spit­zen­po­li­ti­ker oder ein Hartz-IV-Emp­fän­ger im Durch­schnitt bes­se­re Chan­cen beim ande­ren Geschlecht hat. Wüsst ich nicht, müsst ich raten. Sehr glaub­wür­dig. Die Fest­stel­lung ist genau­so skan­da­lös wie die, dass sich Män­ner im Durch­schnitt, bei sonst glei­chen Varia­blen, eher zu jun­gen und optisch attrak­ti­ven Frau­en hin­ge­zo­gen füh­len. Aber aus­zu­spre­chen, was jeder weiß, ist ganz schlimm sexis­tisch. Lächerlich.

Davon abge­se­hen ist das gar nicht der Punkt des Kapi­tels »Stand up strai­ght with your shoul­ders back«. Der Tages­spie­gel gibt es so wieder:

Dem Mensch sei, genau­so wie sei­nem scha­len­tier­haf­ten Urvor­fah­ren, ein evo­lu­tio­nä­res Ver­ständ­nis für sozia­le Hier­ar­chien anheim, von dem man sich inspi­rie­ren las­sen sol­le. Hum­mer­männ­chen, die im gegen­sei­ti­gen Macht- und Paa­rungs­kampf erfolg­reich sind, wür­den ihre Geg­ner domi­nie­ren und dadurch breit­schult­rig mit Sero­to­nin strot­zen. Män­ner sol­len der Welt eben­so breit­schult­rig und gel­tungs­süch­tig ent­ge­gen­tre­ten, da man sich nur so die Gunst der domi­nanz­lie­ben­den Frau­en sichern kön­ne. Für manch einen ist der Gedan­ken­sprung zum Sozi­al­dar­wi­nis­mus an die­ser Stel­le nur ein kleiner.

Quel­le: manch einer. Der gan­ze Absatz ist so lär­mend und gera­de­zu mut­wil­lig däm­lich, und dazu in sei­nem blin­den Hass so mit­leid­erre­gend schlecht geschrie­ben, dass ich gar nicht dar­auf ein­ge­hen möch­te. Ich tue es trotz­dem, weil die­ses Niveau in den Medi­en Stan­dard ist, wenn es um Peter­son geht, und weil es wün­schens­wert wäre, dass die­ser Unsinn irgend­wann mal ein Ende nimmt.

Erst ein­mal rich­tet sich das Kapi­tel (oder irgend­ein ande­res) nicht exklu­siv an Män­ner. Es ist dem­entspre­chend kein Rat­ge­ber zum Frau­en­ab­schlep­pen. Viel­mehr ver­sucht es Men­schen zu hel­fen, die kein gutes Los haben, die wenig Hoff­nung haben, die unter sozia­ler Ängst­lich­keit lei­den und viel­leicht depres­siv sind. Das kön­nen eben­so Frau­en sein (die weib­li­chen Hum­mer kämp­fen auch und Spoi­ler, das Ner­ven­sys­tem ist das glei­che). Die Sache mit der Part­ner­wahl nach Sta­tus ist nur ein Unter­ab­schnitt, und da steht nichts dar­über, was »Män­ner sol­len«. Da steht, was beob­acht­bar passiert.

Es geht um Fol­gen­des – dies ist kurz vor Ende des Kapitels:

Ach­ten Sie also sorg­fäl­tig auf Ihre Hal­tung. Hören Sie auf, sich mit krum­mem Rücken hän­gen zu las­sen. Sagen Sie, was Sie den­ken. Machen Sie Ihre Bedürf­nis­se gel­tend, als ob Sie ein Recht dar­auf hät­ten – zumin­dest das glei­che Recht wie ande­re. Gehen Sie auf­recht und schau­en Sie gera­de­aus. Trau­en sie sich, gefähr­lich zu sein. Ermu­ti­gen Sie das Sero­to­nin, reich­lich durch die Ner­ven­bah­nen zu flie­ßen, die sich nach sei­nem beru­hi­gen­den Ein­fluss sehnen.

Ja, Sero­to­nin ist beru­hi­gend, was das Bild des breit­schult­ri­gen und gel­tungs­süch­ti­gen Mit-Sero­to­nin-Strot­zens noch ein­mal rät­sel­haf­ter macht. Mei­ne Ent­spannt­heit domi­niert euch zu Boden oder so. Völ­li­ger Stuss.

Men­schen, Sie selbst ein­ge­schlos­sen, wer­den nun anfan­gen, Sie für kom­pe­tent und fähig zu hal­ten (oder wenigs­tens nicht sofort das Gegen­teil schluss­fol­gern). Ermu­tigt von den posi­ti­ven Reak­tio­nen, die Sie erhal­ten, wer­den Sie sich weni­ger ängst­lich füh­len. Es wird Ihnen leich­ter fal­len, die sub­ti­len sozia­len Signa­le wahr­zu­neh­men, die Men­schen bei der Kom­mu­ni­ka­ti­on aus­tau­schen. Ihre Kon­ver­sa­tio­nen wer­den flüs­si­ger, mit weni­ger unbe­hag­li­chen Pau­sen. Dies macht es wahr­schein­li­cher, dass Sie Men­schen ken­nen­ler­nen, mit ihnen inter­agie­ren und sie beein­dru­cken. So erhö­hen Sie nicht nur tat­säch­lich die Wahr­schein­lich­keit, dass Ihnen gute Din­ge pas­sie­ren – Sie sor­gen auch dafür, dass sich die guten Din­ge bes­ser anfüh­len, wenn sie passieren.

Grau­samst­mög­li­cher Sozi­al­dar­wi­nis­mus, unsi­che­ren Men­schen mit schwie­ri­gem Leben auf die Bei­ne zu hel­fen. Ich mei­ne, klar, Lin­ke wür­den die­sen Men­schen ein­fach sagen, dass der Kapi­ta­lis­mus an allem schuld ist und dass sie zor­ni­ge Akti­vis­ten wer­den müs­sen; das wür­de ihnen natür­lich mehr hel­fen als prak­ti­ka­ble Rat­schlä­ge, wie sie sich Schritt für Schritt ein bes­se­res Leben auf­bau­en kön­nen. Alter Kacknazi.

Von die­sem wie­der­ge­käu­ten Unsinn abge­se­hen befasst man sich nicht mit Peter­sons Werk, son­dern lis­tet ein­fach auf, wo schon über­all Pro­tes­te und Feind­se­lig­kei­ten gegen ihn laut wur­den. Irgend­wer hat irgend­wo über Peter­son gesagt … – das genügt völ­lig, um ihn mit Dreck zu bewer­fen. Man braucht nicht zu fra­gen, was da los war und ob es stimmt, was die­ser Jemand behaup­tet. Beschul­digt, also schuldig. 

Wenn man wis­sen will, was von Peter­son zu hal­ten ist, befragt man sei­ne am wenigs­ten zu einem Urteil qua­li­fi­zier­ten Fein­de und igno­riert sei­ne viel zahl­rei­che­ren Leser und Hörer, sei­ne Für­spre­cher und ihn selbst. Yay, Journalismus.

So wird er dann auch – darf’s ein biss­chen mehr sein? – im Vor­bei­ge­hen und über Ban­de – »irgend­wer hat gesagt« – des Anti­se­mi­tis­mus beschul­digt, selbst­ver­ständ­lich ohne den Hauch eines Bewei­ses oder auch nur einer Erklä­rung, wie man dar­auf kommt – um ihm zwei Absät­ze spä­ter einen Strick aus der Zusam­men­ar­beit mit dem »radi­kal­kon­ser­va­ti­ven« Ben Shapi­ro zu dre­hen, der prak­ti­zie­ren­der ortho­do­xer Jude ist. Der Dreck muss ja nicht kohä­rent sein; dre­ckig genügt. 

Und wenn man par­tout nichts nach­wei­sen kann und zu faul oder zu fra­gil ist, um sich mit etwas zu befas­sen, das schlech­te Füh­lis macht, behaup­tet man ein­fach, die Nazi­bot­schaf­ten stün­den »zwi­schen den Zei­len«, wür­den in Form von »Dog­whist­les« ver­mit­telt. Bumm, über­führt. Unwi­der­leg­bar. Wenn­gleich eine merk­wür­di­ge Stra­te­gie: zwi­schen den Zei­len gehei­me Bot­schaf­ten ver­mit­teln, denen man in den Zei­len immer wie­der auf gan­zer Linie wider­spricht? War­um soll­te man das machen? War­um soll­te sich das jemand anhö­ren? Und nur die 300 anony­men Genies in Schwarz und der Tages­spie­gel bemer­ken die­se gehei­men Bot­schaf­ten, aber nam­haf­te Intel­lek­tu­el­le wie die oben auf­ge­zähl­ten, dar­un­ter Juden, Frau­en, Schwar­ze, plau­dern blau­äu­gig öffent­lich mit einem rechts­ex­tre­men Frau­en­has­ser und mer­ken nix, weil sie im Ver­gleich zu den erleuch­te­ten Ber­li­nern, die nicht einen ein­zi­gen Stand­punkt Peter­sons kor­rekt und ohne Wut­aus­bruch wie­der­ge­ben kön­nen, zu dumm dazu sind? So wird’s sein.

Ich glau­be, dass das Tem­po­drom nicht kri­tisch hin­ter­fragt hat, wen sie dort einladen.

»Kar­la, Teil des Bünd­nis­ses ›Kei­ne Shows für Täter‹ « (Tages­spie­gel)

Oh, the irony. 

Es ist ein Trau­er­spiel. Die­se Leu­te erhe­ben den Anspruch, für die Öffent­lich­keit die Welt zu deu­ten, haben sich aber in einer win­zi­gen, wahn­haf­ten Bub­ble ver­lo­ren und ver­schanzt, in der nur ver­dreh­te und ver­zerr­te Frag­men­te der Wirk­lich­keit ankom­men. Dar­aus zim­mern sie eine Theo­rie, in der alles ganz sim­pel ist und sie immer der Inbe­griff des Guten sind. Die Welt redu­ziert auf die Kom­ple­xi­tät eines Lego-Bau­kas­tens. Sie sind mit ihrem Ego so tief in die­se Par­al­lel­welt ver­strickt, dass sie Panik und Wut­an­fäl­le bekom­men, wenn jemand oder etwas die Exis­tenz einer grö­ße­ren und kom­pli­zier­te­ren Welt erah­nen lässt. 

In ihrer Par­al­lel­welt muss man kei­ne ein­zi­ge Stu­die ken­nen, um immer genau zu wis­sen, wel­che Aus­sa­gen der For­schungs­stand erlaubt und wel­che nicht. Dort sagt einem ein­fach das Bauch­ge­fühl mit Gewiss­heit, dass der Mann, der mehr als hun­dert Stu­di­en ver­öf­fent­licht hat, kein legi­ti­mer Wis­sen­schaft­ler ist. Dort braucht man nichts zu wis­sen, um alles zu wis­sen. Dort sind auch Tau­sen­de oder Mil­lio­nen Stim­men, die einem sagen, dass man sich irrt, kein Anlass, die­se Mög­lich­keit in Betracht zu zie­hen. Dort ist ein zor­ni­ger, uni­for­mier­ter Mob, der sei­ne Gesich­ter hin­ter Spruch­bän­dern ver­steckt, Indi­vi­dua­li­tät durch sol­da­ten­haf­te Kon­for­mi­tät ersetzt, mit Schil­dern wie »Cho­ke on your Lobsters« einem unlieb­sa­men Red­ner gleich den Tod wünscht und in sei­ner Bub­ble aus Angst, Igno­ranz, Neu­ro­se, Hass und Nar­ziss­mus von einem Fie­ber­wahn in den nächs­ten tau­melt, die Ver­kör­pe­rung des Schö­nen, Wah­ren und Guten, und eine mul­ti­eth­ni­sche Ver­samm­lung von freund­li­chen, fried­li­chen, höf­li­chen und kul­ti­vier­ten Men­schen, die dank­bar sind, einen außer­ge­wöhn­li­chen Intel­lek­tu­el­len live sehen und hören zu dür­fen, der Aber­tau­sen­den gehol­fen hat und hilft, für sich und ande­re ein bes­se­res Leben zu füh­ren, sind eine faschis­ti­sche Horde. 

Und dort läuft ein dum­mer, bös­ar­ti­ger Jor­dan Peter­son her­um, der als ulti­ma­ti­ver Sün­den­bock den Bewoh­nern zur Auf­recht­erhal­tung ihrer sinn­stif­ten­den und Ego-sta­bi­li­sie­ren­den Gut-Böse-Pola­ri­tät dient, aber mit dem ech­ten nur in Spu­ren­ele­men­ten etwas zu tun hat.

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