Culture War – ein Exposé

Wor­um geht es im Cul­tu­re War? Wel­che sozia­len und psy­chi­schen Mecha­nis­men ver­hin­dern eine Ver­stän­di­gung zwi­schen den Lagern und las­sen die Feind­schaft eska­lie­ren? War­um gehen Rech­te und Lin­ke ein­an­der an die Gur­gel, statt sach­lich dar­über zu strei­ten, wer die bes­se­ren Dia­gno­sen und Lösun­gen hat?

Seit Jah­ren reift in mir das Vor­ha­ben, ein Buch über die­se Fra­gen zu schrei­ben. Ein Buch mit dem Anlie­gen, uns die Dyna­mi­ken kla­rer bewusst zu machen, in die wir ver­strickt sind, um wenigs­tens einen Teil unse­rer blin­den Ver­stri­ckung in ver­nunft­ge­lei­te­tes Han­deln zu ver­wan­deln.

Vor Kur­zem habe ich mich ent­schie­den, die Arbeit vor­erst in ein Blog zu ver­la­gern und so auf das Buch hin­zu­ar­bei­ten, statt mich erst mit dem fer­ti­gen Buch öffent­lich zu Wort zu mel­den. Mir wur­de näm­lich klar, dass ich das Buch­vor­ha­ben aus zum Teil schlech­ten Grün­den ver­folg­te:

  1. Es ist unbe­quem, mit Stand­punk­ten zu die­sen The­men an die Öffent­lich­keit zu gehen. Das Buch­vor­ha­ben war eine oppor­tu­ne Mög­lich­keit, dies auf den Sankt Nim­mer­leins­tag zu ver­schie­ben.
  2. Die­sel­be Unbe­quem­lich­keit erzeugt ein Bedürf­nis, sich abzu­si­chern. Das Buch­for­mat bie­tet die bes­ten Mög­lich­kei­ten, einen Stand­punkt umfas­send zu begrün­den und zu kon­tex­tua­li­sie­ren. Aber letzt­lich kann man ein Buch genau­so angrei­fen und miss­ver­ste­hen, und Per­fek­tio­nis­mus schützt nicht vor dem Schei­tern. Mein Vor­ha­ben beruh­te zum Teil auf einer Illu­si­on, die Buch­form bie­te Sicher­heit.

Ich habe in der Ver­gan­gen­heit bereits diver­se Blog­pro­jek­te gestar­tet, von denen kei­nes lan­ge über­lebt hat. Die­ses zöger­li­che Hin­und­her erklärt sich zum Teil aus den Schwie­rig­kei­ten, auf die man stößt, wenn man außer­halb aus­ge­tre­ten­der Denk­pfa­de wan­delt.

Zunächst ein­mal kann man sei­ne Über­le­gun­gen weit weni­ger auf (schein­ba­re) Gewiss­hei­ten stüt­zen, die man wahr­schein­lich mit dem Leser teilt. Das erschwert die Kom­mu­ni­ka­ti­on, aber auch die Selbst­ver­stän­di­gung; die Klä­rung und Absi­che­rung des eige­nen Stand­punkts für sich selbst. Viel­leicht hat der Kai­ser ja wirk­lich schö­ne Klei­der an und ich habe ein­fach irgend­was nicht kapiert?

Wenn man die Falsch­heit des einen oder ande­ren herr­schen­den und prak­tisch nie in Fra­ge gestell­ten Nar­ra­tivs erkennt (mit einem popu­lä­ren Aus­druck die »rote Pil­le« nimmt), dann weiß man zunächst ein­mal nur, dass man (fast) nichts weiß. Man muss sich sein Wis­sen über die Welt neu erar­bei­ten.

Außer­dem setzt man sich auf sol­chen Abwe­gen dem Risi­ko aus, ange­fein­det und miss­ver­stan­den zu wer­den. Die eben ange­spro­che­ne inhalt­li­che Unsi­cher­heit wie­der­um macht es schwe­rer, damit umzu­ge­hen und klar­zu­kom­men.

Ich mache die­sen per­sön­li­chen Aspekt des gan­zen zum The­ma, weil es nicht anders geht. Wenn ich ein­mal etwas pau­schal for­mu­lie­ren darf: Men­schen sind selbst­ge­recht, und zwar auf indi­vi­du­el­ler wie auf Grup­pen­ebe­ne. Als Ein­zel­ne las­sen wir nie von dem Glau­ben ab, dass wir eigent­lich gut sind, auch wenn wir Schlech­tes und Böses tun (sie­he dazu »Vom Bösen: War­um es mensch­li­che Grau­sam­keit gibt«). Als Mit­glie­der von in Grup­pen­kon­flik­te ver­strick­ten Grup­pen haben wir stets das Gefühl, mit der Bekämp­fung des Geg­ners der guten Sache zu die­nen (sie­he dazu »The Righ­te­ous Mind«, »Moral Tri­bes«).

Die­se Art selbst­ge­rech­ter Selbst­täu­schun­gen ist ein gro­ßer Teil des Pro­blems. Sie ist eine wesent­li­che Quel­le irra­tio­na­len Han­delns und leis­tet einen wesent­li­chen Bei­trag zur Eska­la­ti­on von Kon­flik­ten. Ich lie­be die For­mu­lie­rung des Phy­si­kers Richard Feyn­man:

Das ers­te Prin­zip ist, dass Sie sich nichts vor­ma­chen dür­fen, und nie­man­dem machen Sie so leicht etwas vor wie sich selbst. (»The first princip­le is that you must not fool yours­elf – and you are the easiest per­son to fool.«)

Car­go Cult Sci­ence (PDF)

Auf­grund unse­res evo­lu­tio­nä­ren Erbes sind wir Men­schen psy­cho­lo­gisch dar­auf aus­ge­rich­tet, uns einem Stamm zuzu­ord­nen und die­sen gegen frem­de und feind­li­che Stäm­me zu ver­tei­di­gen. Dies zu tun fühlt sich gut und rich­tig an. Es fühlt sich im Extrem­fall so gut und rich­tig an, dass wir unser Leben dafür opfern – oder auch ande­re fol­tern und umbrin­gen.

Wie ande­re basa­le Mecha­nis­men ist auch die­ser an sich weder gut noch schlecht. Er kann je nach Kon­text bei­des sein. Jeden­falls besagt das gute Gefühl beim Bekämp­fen des Geg­ners in kei­ner Wei­se, dass man im Recht ist oder damit Gutes bewirkt. Man kann es nicht genug beto­nen: Die­ses gute Gefühl sagt nichts dar­über aus, ob man im Recht ist und ob das beglei­ten­de Han­deln geeig­net ist, die gewünsch­ten Resul­ta­te her­bei­zu­füh­ren.

Ich bin einer von den Guten – das glaubt jeder. Ich habe gute Grün­de – das glaubt eben­falls jeder. Ich bekämp­fe das Böse – nun ja, viel­leicht denkt dein Geg­ner genau das­sel­be, und viel­leicht ist es gera­de die­se gegen­sei­ti­ge Ver­stri­ckung, die das Böse her­vor­bringt? (Okay, das ist nicht der ein­zi­ge Ursprung des Bösen. Aber es ist zwei­fel­los einer.)

Natür­lich sind das alles über­haupt kei­ne ori­gi­nel­len Gedan­ken. Jeder halb­wegs wache Mensch weiß, dass wir selbst­ge­recht sind und mit der Ein­sei­tig­keit unse­res Blicks auf Kon­flik­te zu deren Eska­la­ti­on bei­tra­gen. Aber den Bal­ken im eige­nen Auge zu sehen und die­sem Wis­sen ent­spre­chend zu han­deln ist sehr viel schwe­rer, als der all­ge­mei­nen Beob­ach­tung zuzu­stim­men.

Des­halb muss ich mei­nen eige­nen Stand­punkt mit­re­flek­tie­ren, wenn ich über den Cul­tu­re War schrei­be. Ich gebe mich genau­so lust­voll einem bun­ten Strauß von Irra­tio­na­li­tä­ten und Selbst­ge­rech­tig­kei­ten hin wie die, bei denen ich genau das auf­de­cken und kri­ti­sie­ren will. Wahr­schein­lich in vie­len Fäl­len mehr als sie. Ich bin ein Ver­strick­ter mit der Ambi­ti­on, ein Beob­ach­ter zu sein. Mich mei­ner Ver­stri­ckung zu ent­le­di­gen ist unmög­lich. Was ich aber tun kann, ist, sie mit in den Blick zu neh­men und dadurch halb­wegs unter Kon­trol­le zu bekom­men.

Ich kom­me wei­ter unten auf die­ses Pro­blem und sei­ne Lösung zurück. Zunächst aber umrei­ße ich mei­ne inhalt­li­che Posi­ti­on im Cul­tu­re War, was zugleich eine Beschrei­bung des Pro­blems ist, wie ich es sehe.

Die neue Linke und die Linksflucht

Ich bin einer von vie­len, die als Jugend­li­che und jun­ge Erwach­se­ne immer links waren und irgend­wann in den letz­ten paar Jah­ren vom Glau­ben abge­fal­len sind. Eine wesent­li­che Trieb­kraft hin­ter die­ser Ernüch­te­rung und Links­flucht ist die Tat­sa­che, dass im lin­ken Spek­trum eine Grup­pe bzw. Strö­mung domi­nant gewor­den ist, die nicht nur radi­kal, son­dern auch auf eine neue Wei­se radi­kal ist, die vie­le klas­sisch Lin­ke bzw. ehe­mals Lin­ke abstößt.

Die poli­ti­sche Pola­ri­sie­rung der letz­ten 20 Jah­re hat sich vor allem links abge­spielt. (Dies sind US-Daten und in Deutschland/Europa sähe es womög­lich anders aus. Ich ver­mu­te, das Mus­ter wäre ähn­lich, aber viel­leicht weni­ger extrem.)

Vie­le Namen sind für die­se neue Lin­ke in Umlauf, dar­un­ter regres­si­ve Lin­ke, auto­ri­tä­re Lin­ke, post­mo­der­ne Lin­ke, (post­mo­der­ner) Neo­mar­xis­mus, Kul­tur­mar­xis­mus, Alt-Left und Ctrl-Left. Eng mit ihr asso­zi­iert sind die Schlag­wor­te Iden­ti­täts­po­li­tik (wobei es auch eine rech­te Iden­ti­täts­po­li­tik gibt, sie­he »Iden­ti­tä­re Bewe­gung«) Soci­al Jus­ti­ce War­ri­ors und poli­ti­sche Kor­rekt­heit. Ich wer­te die­se Begrif­fe hier nicht und behaup­te nicht, dass sie alle exakt das­sel­be bezeich­nen, aber durch­aus, dass sie unge­fähr das­sel­be bezeich­nen. Ich wer­de ein­fach bei dem Aus­druck »neue Lin­ke« blei­ben, weil er neu­tral und kna­ckig ist und die­se Strö­mung nicht auf einen ihrer Aspek­te redu­ziert.

Anhand von drei Leit­mo­ti­ven ihrer Phi­lo­so­phie und Psy­cho­lo­gie cha­rak­te­ri­sie­re ich in den fol­gen­den Abschnit­ten, was die­se neue Lin­ke in mei­nen Augen aus­zeich­net. Die drei Leit­mo­ti­ve sind Kol­lek­ti­vis­mus, Sozi­al­krea­tio­nis­mus und Auto­ri­ta­ris­mus.

Kollektivismus

Ein Wer­te­sys­tem, das Grup­pen zu mora­li­schen Sub­jek­ten und Rechts­in­ha­bern macht und Indi­vi­du­en ihnen unter­ord­net. Hier­hin gehö­ren Stich­wör­ter wie Inter­sek­tio­na­li­tät und Iden­ti­täts­po­li­tik sowie poli­ti­sche Mecha­nis­men wie Frau­en- und Diver­si­ty-Quo­ten.

Mein Pro­blem mit dem Kol­lek­ti­vis­mus ist, dass er mit sei­nem Pos­tu­lat, es gebe Grup­pen­rech­te, unaus­weich­lich Indi­vi­du­en ihrer Rech­te beraubt.

Die Frau­en­quo­te eig­net sich gut zur Ver­an­schau­li­chung. Wenn der Staat das Par­la­ment durch die Quo­te zur Hälf­te mit Frau­en füllt, beschnei­det er die­je­ni­gen Män­ner in ihren Rech­ten, die mehr Stim­men erhal­ten haben oder hät­ten als die Frau­en, die durch die Quo­te hin­ein­be­för­dert wur­den. Wenn die Befür­wor­ter das als aus­glei­chen­de Gerech­tig­keit sehen, zeigt sich dar­in gera­de das Kol­lek­tiv­den­ken: Die­se indi­vi­du­el­len Män­ner kön­nen nichts dafür, dass weni­ger Frau­en im Par­la­ment sind. Trotz­dem wer­den sie dafür bestraft. Rechts­sub­jek­te sind hier die Gesamt­grup­pe der Män­ner und die Gesamt­grup­pe der Frau­en. Die Indi­vi­du­en bei­der Grup­pen zie­hen dem­ge­gen­über den Kür­ze­ren.

Ja, auch die Frau­en, die durch eine Quo­te objek­tiv pri­vi­le­giert sind, wer­den durch sie zugleich als Indi­vi­du­en degra­diert (abge­se­hen von den Wäh­le­rin­nen, die die­se Frau­en nicht gewählt haben). Das ist für vie­le Frau­en ein Haupt­grund dafür, die Quo­te abzu­leh­nen. Sie bekom­men, was sie bekom­men, nicht auf­grund ihrer Per­sön­lich­keit und Fähig­kei­ten, son­dern auf­grund des Merk­mals Frau. Und wenn man sie dar­auf redu­ziert, Reprä­sen­tan­tin­nen die­ses Merk­mal zu sein, sind sie völ­lig aus­tausch­bar – Frau­en gibt es vie­le. 

Im Ein­klang mit der Grup­pen­re­prä­sen­ta­ti­ons­lo­gik wer­den immer häu­fi­ger Rede­rech­te nach geschlecht­li­chen, eth­ni­schen und sozi­öko­no­mi­schen Merk­ma­len zuge­wie­sen: Ein Mann darf nicht spre­chen, wenn eine Frau spre­chen will; eine wei­ße Frau darf nicht spre­chen, wenn eine Frau mit dunk­lem Teint spre­chen will; ein Mann darf kei­ne eige­ne Mei­nung über Abtrei­bung äußern; Wei­ße dür­fen kei­ne eige­ne Mei­nung über Ras­sis­mus und Dis­kri­mi­nie­rung äußern und so wei­ter. Auch hier­in wird die Ent­wer­tung des Indi­vi­du­ums deut­lich. Indi­vi­du­en tre­ten nur als Stich­pro­be, als pars pro toto ihrer Iden­ti­täts­grup­pen auf – Wei­ße, Män­ner, Frau­en, Peop­le of Color usw. Als sol­che sind sie, wie gesagt, aus­tausch­bar.

Die­se Ide­en kur­sie­ren bis tief in die poli­ti­schen Par­tei­en, den Wis­sen­schafts­be­trieb und die Main­stream­me­di­en hin­ein. Sie sind eine Absa­ge an die Unan­tast­bar­keit der Wür­de des Men­schen, was bedeu­tet, des Indi­vi­du­ums. Und sie eta­blie­ren einen tie­fen Irra­tio­na­lis­mus in den Insti­tu­tio­nen, da sie Indi­vi­du­en unter­schied­li­che Rech­te nach einem Schlüs­sel zuteilt, der nichts mit deren Kom­pe­ten­zen zu tun hat.

In der neu­en Lin­ken gibt es die Vor­stel­lung, dass die »Mar­gi­na­li­sier­ten« einen beson­de­ren Zugang zu Wis­sens­be­stän­den hät­ten, der den »Pri­vi­le­gier­ten« ver­schlos­sen sei (hier­zu ein Twit­ter-Strang von James Lind­say). Daher nüt­ze es letzt­lich der All­ge­mein­heit, den Mar­gi­na­li­sier­ten per Zwang Gehör zu ver­schaf­fen.

Soviel stimmt: Wer ein har­tes Schick­sal erlit­ten hat, der weiß ein paar Din­ge, die ein glück­li­che­rer Mensch so nicht weiß. Was nicht stimmt, ist, dass die­ses Lei­den irgend­ei­ne Kom­pe­tenz oder Qua­li­fi­ka­ti­on begrün­de, irgend­wel­che Ämter aus­zu­üben oder sozia­le Zusam­men­hän­ge zu ana­ly­sie­ren. Es begrün­det auch kei­nen guten Cha­rak­ter, denn Lei­den erzeugt oft Zorn und Bit­ter­keit.

Es ist wün­schens­wert, dass mög­lichst alle Per­spek­ti­ven gehört wer­den, und die sozi­al Schwa­chen soll­ten eine Stim­me haben, damit sie nicht ver­ges­sen wer­den. Aber um Pro­ble­me zu ana­ly­sie­ren und Lösun­gen zu erar­bei­ten, braucht man mehr Qua­li­fi­ka­ti­on als das Wis­sen, wie es sich anfühlt, arm zu sein/diskriminiert zu werden/etc. Wenn man in Poli­tik, Wirt­schaft und Wis­sen­schaft das Kri­te­ri­um der Qua­li­fi­ka­ti­on abwer­tet, wer­den alle drei schlech­ter funk­tio­nie­ren. Das hilft den Schwa­chen nicht. Wenn es eng wird, kom­men sie als ers­tes unter die Räder.

Ein Par­la­ment oder gar eine Regie­rung nach Geschlecht statt nach Qua­li­fi­ka­ti­on bzw. in frei­en Wah­len abge­ge­be­nen Stim­men zu beset­zen ist in mei­nen Augen Kor­rup­ti­on. Eine Regie­rung hat die Pflicht, die best­qua­li­fi­zier­ten Per­so­nen aus­zu­wäh­len, die zur Ver­fü­gung ste­hen, da sie die Ver­ant­wor­tung trägt, die best­mög­li­che Regie­rung für die Bevöl­ke­rung des Lan­des zu sein. Frau­en­feind­lich? Ich erin­ne­re dar­an, dass die Bevöl­ke­rung, auf deren Kos­ten es geht, wenn eine Regie­rung auf qua­li­fi­zier­tes Per­so­nal ver­zich­tet, zur Hälf­te aus Frau­en besteht.

Sozialkreationimus

Ich leis­te mir hier einen etwas aus­ge­fal­le­nen Begriff, weil er mir der pas­sends­te zu sein scheint. Nahe­lie­gend wäre auch »Sozi­al­kon­struk­ti­vis­mus« gewe­sen, doch das ist unscharf, denn ursprüng­lich bezeich­ne­te »Kon­struk­ti­vis­mus« etwas ganz Ver­nünf­ti­ges und Wich­ti­ges, näm­lich die Tat­sa­che, dass die Begrif­fe, Theo­ri­en, Vor­stel­lun­gen usw., mit denen wir uns die Wirk­lich­keit erschlie­ßen, sozia­le Kon­struk­tio­nen sind. Der aus mei­ner Sicht unum­stöß­li­che Beweis dafür ist, dass man sich unter­schied­li­che Begrif­fe von der­sel­ben Sache bil­den und die Sache auch unter­schied­lich wahr­neh­men kann.

Dies sind kom­pli­zier­te Fra­gen und ich muss ver­ein­fa­chen, um nicht abzu­schwei­fen. Doch der sprin­gen­de Punkt dabei ist aus mei­ner Sicht, dass die­se Kon­struk­tio­nen nicht belie­big sind, son­dern in gewis­sem Umfang von der objek­ti­ven Rea­li­tät dik­tiert wer­den. Denn wenn unse­ren Theo­ri­en nicht als Land­kar­ten für die objek­ti­ve Rea­li­tät funk­tio­nie­ren, kön­nen wir kei­ne gewünsch­ten Resul­ta­te durch unse­re Hand­lun­gen her­bei­füh­ren und somit nicht über­le­ben.

Ver­ein­fa­chend und etwas for­mel­haft also kann man sagen, der Kon­struk­ti­vis­mus behaup­tet, dass wir uns von einer objek­tiv gege­be­nen Wirk­lich­keit unter­schied­li­che Begrif­fe machen, wäh­rend der Sozi­alkrea­tio­nis­mus davon aus­geht, dass wir die Wirk­lich­keit mit unse­ren Begrif­fen erschaf­fen. Vor allem zielt dies natür­lich auf die sozia­le und psy­chi­sche Wirk­lich­keit.

Der Sozi­al­krea­tio­nis­mus baut auf der Auf­fas­sung vom Men­schen als unbe­schrie­be­nes Blatt, wie Ste­ven Pin­ker sie im gleich­na­mi­gen Buch aus­ge­führt und kri­ti­siert hat. Für jeden, der die ent­spre­chen­de For­schung ernst­haft recher­chiert, ist längst klar, dass die Auf­fas­sung vom Men­schen als unbe­schrie­be­nes Blatt falsch und wis­sen­schaft­lich nicht halt­bar ist. Doch ins öffent­li­che Bewusst­sein jeden­falls der aka­de­misch-publi­zis­ti­schen Sphä­ren unse­rer Kul­tur ist dies noch nicht durch­ge­drun­gen. Dort herrscht einer über­wäl­ti­gen­den wis­sen­schaft­li­chen Evi­denz (und der Logik) zum Trotz wei­ter­hin ein Welt­bild vor, in dem Men­schen und Gesell­schaf­ten fast aus­schließ­lich durch mensch­lich-gesell­schaft­li­che For­mung und Prä­gung zu dem wer­den, was sie dann fak­tisch sind. Die mensch­li­che Natur wird unter­schla­gen.

Ich habe vie­le Jah­re in den Sozi­al­wis­sen­schaf­ten stu­diert und gear­bei­tet, bis hin zur Pro­mo­ti­on in Sozio­lo­gie, und kann bestä­ti­gen, dass die­ses Men­schen­bild dort hege­mo­ni­al ist. Der Auf­satz »The Psy­cho­lo­gi­cal Foun­da­ti­ons of Cul­tu­re« (PDF) von den Begrün­dern der evo­lu­tio­nä­ren Psy­cho­lo­gie, John Too­by und Leda Cos­mi­des, zer­pflückt die­ses »Stan­dard Soci­al Sci­ence Model« meis­ter­haft und gehört zu den bes­ten wis­sen­schaft­li­chen Tex­ten, die ich je gele­sen habe.

Den meis­ten Ver­tre­tern der Sozi­al­wis­sen­schaf­ten kommt nie in den Sinn, die­ses Modell in Fra­ge zu stel­len. Und das ist bei Wei­tem nicht nur eine müßi­ge Theo­rief­ra­ge, denn auf die­sem Welt- und Men­schen­bild beru­hen weit ver­brei­te­te und poli­tisch wirk­sa­me Vor­stel­lun­gen von einer prak­tisch unbe­grenz­ten Umer­zieh­bar­keit des Men­schen und Umbau­bar­keit der Gesell­schaft. 

Zusam­men mit die­sen Vor­stel­lun­gen ent­steht ein mora­li­scher Impe­ra­tiv, Umbau und Umer­zie­hung in Angriff zu neh­men. Wir sind nach die­ser Auf­fas­sung unbe­schrie­be­ne Blät­ter und als sol­che völ­lig gleich und nahe­zu belie­big pro­gram­mier­bar. Wir könn­ten also in einer Gesell­schaft von lau­ter Glei­chen leben. Wenn wir das könn­ten, es aber nicht tun, bege­hen wir ein Unrecht. Dies gilt es zu bekämp­fen. In die­sem Gedan­ken­gang steckt ein Auf­trag, die Kul­tur buch­stäb­lich ein­zu­eb­nen.

Auf die­ser Basis kann man auch die Fra­ge knapp beant­wor­ten, wel­che Rol­le der Femi­nis­mus im Cul­tu­re War spielt. Die Geschlech­ter­un­ter­schie­de sind die klars­te Evi­denz, die für alle Men­schen deut­lich erkenn­bar den Sozi­al­krea­tio­nis­mus wider­legt. Die neue Lin­ke muss sie leug­nen, um ihren Uto­pis­mus und ihr Wer­te­sys­tem zu beschüt­zen, die auf dem Men­schen­bild des unbe­schrie­be­nen Blat­tes beru­hen. Die­se Moti­va­ti­on der Welt­bild­ver­tei­di­gung ist hier wie anders­wo die Quel­le der spe­zi­fisch lin­ken (es gibt natür­lich auch eine rech­te) Wis­sen­schafts­feind­lich­keit.

Pro­fes­sio­na­li­siert hat sich die­se Wis­sen­schafts­feind­lich­keit ein einer Spiel­art des Post­mo­der­nis­mus, deren schöns­te Erzeug­nis­se man auf dem Twit­ter-Account Real Peer Review bestau­nen kann. Er fügt der Auf­fas­sung, dass wir durch Wor­te (»Dis­kur­se«) Wirk­lich­keit erschaf­fen, die­je­ni­ge hin­zu, dass dies stets dem Macht­er­halt des Spre­chers die­ne. Die Mäch­ti­gen repro­du­zie­ren durch Dis­kur­se ihre Macht, die Mar­gi­na­li­sier­ten wer­den »unsicht­bar gemacht«. Einen Markt­platz und Wett­streit der Ide­en gibt es hier nicht, eben­so­we­nig eine Hoff­nung dar­auf, dass die Wahr­heit oder die bes­se­re Idee sich durch­set­ze. Außer­dem wür­de ja schon die Vor­stel­lung einer »bes­se­ren Idee« wie­der Hier­ar­chi­en her­stel­len und legi­ti­mie­ren.

Es gibt nur den nack­ten Macht­kampf zwi­schen Herr­schen­den und Unter­drück­ten, der sich unter ande­rem wis­sen­schaft­li­cher For­men bedie­nen kann. Mit die­ser Annah­me legi­ti­miert sich die Zen­sur­freu­de der neu­en Lin­ken, vom Deplat­forming und Nie­der­brül­len von Spre­chern über die Pro­tes­te gegen die blo­ße Anwe­sen­heit rech­ter Ver­la­ge auf Buch­mes­sen bis zu den Begehr­lich­kei­ten, sozia­le Netz­wer­ke poli­tisch zu fil­tern. Unter­drü­cker darf und muss man zum Schwei­gen brin­gen. 

Die­ser Gedan­ke wird prak­tisch auf die Wis­sen­schaft ange­wen­det. Der wis­sen­schaft­li­che Kor­pus ist das Werk alter, wei­ßer Män­ner, die mit ihm ihre Macht absi­chern. Dar­aus folgt eine Abwer­tung die­ses Wis­sens und der Glau­be, wenn man »Diver­si­ty« in den Wis­sen­schafts­be­trieb ein­führt, wür­de dadurch auto­ma­tisch das Wis­sen bes­ser (hier ein Fall­bei­spiel). Im Jahr 2016 mach­te ein Arti­kel in einer Gen­der-Stu­dies-Fach­zeit­schrift die Run­de, der die theo­re­ti­sche Über­le­gung anstell­te,

»… dass eine künf­ti­ge päd­ago­gi­sche Prio­ri­tät der Womens’s Stu­dies dar­in besteht, die Stu­den­ten nicht nur einen Wis­sens­be­stand zu leh­ren, son­dern ihnen auch bei­zu­brin­gen, sym­bo­li­sche »Viren« zu sein, die tra­di­tio­nel­le und fest ver­wur­zel­te Fel­der infi­zie­ren, erschüt­tern und zer­stö­ren.« [»infect, unsett­le and dis­rupt«]

Ein Bekann­ter erzähl­te mir davon, wie er ein­mal an einer deut­schen Uni­ver­si­tät einen Vor­trag vor einem Fach­gre­mi­um hielt und anschlie­ßend dafür kri­ti­siert wur­de, dass er »vie­le Män­ner zitiert« habe. Offen­bar wird inzwi­schen erwar­tet, dass man die wis­sen­schaft­li­che Lite­ra­tur, auf die man sich stützt, nach außer­wis­sen­schaft­li­chen Kri­te­ri­en (letzt­lich Diver­si­ty-Quo­ten) aus­wählt. Im Rah­men des post­mo­der­nis­ti­schen Den­kens dient dies der Wis­sen­schaft; sie­he oben. Doch es ist ein radi­ka­ler Bruch mit dem Wis­sen­schafts­ver­ständ­nis der Auf­klä­rung. (Hier erklärt Jona­than Haidt, war­um Bil­dungs­ein­rich­tun­gen sich ent­schei­den müs­sen, ob sie Wahr­heit oder »Soci­al Jus­ti­ce« anstre­ben wol­len – bei­des geht nicht.)

Autoritarismus

All­ge­mein ist Auto­ri­ta­ris­mus eine Into­le­ranz gegen Abweich­ler, die sich in dem Wunsch nach einer Auto­ri­tät aus­drückt, wel­che das Abweich­ler­tum unter­drü­cken und für sozia­le Homo­ge­ni­tät sor­gen soll (Eine Frau: Karen Sten­ner: The Aut­ho­ri­ta­ri­an Dyna­mic. Oder kür­zer hier: Three Kinds of Con­ser­va­tism (PDF)). In Bezug auf die Lin­ke ist das zunächst mal para­dox, da sich die Lin­ke doch gera­de­zu dadurch defi­niert, anti­au­to­ri­tär und ega­li­tär zu sein.

Es gibt hier zwei Fra­gen zu beant­wor­ten: ers­tens die, inwie­fern sich lin­ker Auto­ri­ta­ris­mus über­haupt beob­ach­ten lässt, zwei­tens die, wie er psy­cho­lo­gisch zu erklä­ren und phi­lo­so­phisch zu begrün­den ist.

Zur ers­ten: Die Ver­ach­tung der neu­en Lin­ken für Men­schen, die ihre Wer­te nicht tei­len, und ihr Selbst­ver­ständ­nis als welt­of­fen und tole­rant bil­den den wohl kras­ses­ten Selbst­wi­der­spruch die­ses Lagers. In ihrem strah­len­den Selbst­bild hei­ßen sie die gan­ze Welt im eige­nen Wohn­zim­mer will­kom­men; in Wirk­lich­keit sind sie schon über­for­dert damit, die Exis­tenz des kon­ser­va­ti­ven Nach­barn zu ertra­gen.

Heu­ti­ge Lin­ke blo­cken mehr in sozia­len Netz­wer­ken, kün­di­gen häu­fi­ger Freund­schaf­ten und mei­den eher Kol­le­gen auf­grund poli­ti­scher Dif­fe­ren­zen (Pew Rese­arch sowie hier). Sie nut­zen Paro­len wie »Hass ist kei­ne Mei­nung«, um die Unter­drü­ckung von Wort­äu­ße­run­gen zu recht­fer­ti­gen, die ihren Wer­ten wider­spre­chen. Sie bekun­den mit Hash­tags wie #unteil­bar und #wirs­ind­mehr ihre Absicht, als homo­ge­ne Mehr­heit eine Min­der­heit zum Schwei­gen zu brin­gen. Sie stö­ren und ver­hin­dern Vor­trä­ge, Demons­tra­tio­nen und Par­tei­ver­an­stal­tun­gen der­je­ni­gen, die ihre Wer­te nicht tei­len. Sie erlas­sen poli­tisch kor­rek­te Sprach­re­ge­lun­gen und drän­gen dar­auf, die­je­ni­gen zu sank­tio­nie­ren, die sich nicht dar­an hal­ten. Sie üben selbst Gewalt gegen den poli­ti­schen Geg­ner aus oder schrei­ben Arti­kel, in denen sie die­se Gewalt­aus­übung recht­fer­ti­gen.

All das ist Auto­ri­ta­ris­mus im Sinn der Defi­ni­ti­on: Into­le­ranz gegen Abwei­chun­gen von der eige­nen nor­ma­ti­ven Vor­stel­lung von der Gesell­schaft zusam­men mit dem Wunsch nach der Unter­drü­ckung sol­cher Abwei­chun­gen durch gesell­schaft­li­che Auto­ri­tä­ten.

Wie ver­hält sich dies aber nun zum Selbst­bild der Lin­ken als anti­au­to­ri­tär? Ich will hier zwei­er­lei anspre­chen, um die Merk­wür­dig­keit einer auto­ri­tä­ren Lin­ken zu erklä­ren.

Ers­tens ist die Lin­ke in den Insti­tu­tio­nen ange­kom­men. Sie hat gro­ße Tei­le der Poli­tik und Ver­wal­tung und noch grö­ße­re der Medi­en und des Wis­sen­schafts­be­triebs im Griff. Die Lin­ken sind die Herr­schen­den. Gleich­zei­tig sehen sie sich wei­ter­hin als eman­zi­pa­ti­ve Kraft und ver­or­ten sich auf der Sei­te der Schwa­chen. Das ist eine objek­ti­ve Para­do­xie, mit der Lin­ke zu kämp­fen haben und die das Mus­ter her­vor­bringt, das der Sozio­lo­ge Armin Nas­sehi auf die For­mel »links reden, rechts leben« gebracht hat. Das lin­ke Reden han­delt von Welt­of­fen­heit und Soli­da­ri­tät; das rech­te Leben heißt: bevor­zugt unter sich blei­ben und Pri­vi­le­gi­en ver­tei­di­gen.

Die Lin­ke legi­ti­miert ihre Herr­schaft teil­wei­se damit, dass sie ideo­lo­gisch eigent­lich gegen Herr­schaft ist. Sie ver­sucht, gesell­schaft­li­che Ver­hält­nis­se im Sinn ihrer Wer­te zu ver­än­dern. Gleich­zei­tig hält ihre eige­ne beque­me Posi­ti­on sie davon ab, sie all­zu sehr zu ver­än­dern. Die Syn­the­se aus revo­lu­tio­nä­rem Geist und fak­ti­scher Eta­blier­ten­po­si­ti­on ergibt als Pro­gram­ma­tik so etwas wie eine Revo­lu­ti­on von oben. Prak­tisch äußert sich dies zum Bei­spiel in ver­ord­ne­ter Gen­der­spra­che, Diver­si­ty-Quo­ten und Ent­eig­nungs­de­bat­ten.

Zwei­tens ist sicher­lich nur ein Teil der Lin­ken und wohl auch nur ein Teil der neu­en Lin­ken auto­ri­tär. Doch die­ser Teil genügt, um der gesam­ten Lin­ken ihren Stem­pel auf­zu­drü­cken. Ten­den­zi­ell ist das bei allen sozia­len Bewe­gun­gen so – die Mehr­heit der Men­schen ist nicht beson­ders poli­tisch und arran­giert sich mit dem, was poli­tisch pas­siert, soweit mög­lich. Über­zeug­te und akti­ve Min­der­hei­ten der ver­schie­de­nen Lager zie­hen und zer­ren der­weil in ver­schie­de­ne Rich­tun­gen. Die­se Min­der­hei­ten brin­gen mehr Ener­gie in die poli­ti­sche Are­na ein als die halb- bis unpo­li­ti­schen »Nor­mies« und kön­nen daher Akzen­te set­zen, Agen­den bestim­men, Schlüs­sel­po­si­tio­nen erobern (etwa in den Medi­en) und ihren Ein­fluss auf die Nor­mies maxi­mie­ren.

Ich neh­me an, dass hier eine Kern­grup­pe von Auto­ri­tä­ren wirkt, die sich in Tem­pe­ra­ment und Ein­stel­lung deut­lich von der Mas­se der Lin­ken unter­schei­det. Jor­dan Peter­son hat zusam­men mit Cathe­ri­ne Bro­phy, einer sei­ner Absol­ven­tin­nen, eine Stu­die zur poli­ti­schen Kor­rekt­heit durch­ge­führt, die ergab, dass Anhän­ger der Poli­ti­schen Kor­rekt­heit ande­re psy­cho­lo­gi­sche Eigen­schaf­ten auf­wei­sen als »her­kömm­li­che« Lin­ke. Die Ver­tre­ter der poli­ti­schen Kor­rekt­heit unter­tei­len sich dem­zu­fol­ge in zwei Grup­pen: Ega­li­tä­re und Auto­ri­tä­re. Hier eine Zusam­men­fas­sung (mei­ne Über­set­zung):

PC-Ega­li­tä­re hat­ten eher an Semi­na­ren teil­ge­nom­men oder Erfah­run­gen gemacht, die ihre Emp­find­lich­keit für indi­vi­du­el­le Unter­schie­de und Ungleich­heit beein­flusst haben, hat­ten einen grö­ße­ren Wort­schatz, waren offe­ner für neue Erfah­run­gen und iden­ti­fi­zier­ten sich stär­ker mit his­to­risch benach­tei­lig­ten Grup­pen.

Dies ist klar das Pro­fil der klas­si­schen Lin­ken, deren her­vor­ste­chends­tes psy­cho­lo­gi­sches Merk­mal die star­ke Aus­prä­gung des Per­sön­lich­keits­zugs Offen­heit für Erfah­rung aus dem Big-5-Kon­strukt ist. Dazu folgt dem­nächst hier ein Arti­kel.

PC-Auto­ri­tä­re waren im Gegen­satz dazu reli­giö­ser, reagier­ten emp­find­li­cher auf Ekel und Ver­schmut­zung, hat­ten ein grö­ße­res Bedürf­nis nach Ord­nung sowie einen klei­ne­ren Wort­schatz und wie­sen häu­fig eine Angst- oder Gemüts­stö­rung bei sich selbst oder im enge­ren Fami­li­en­kreis auf.

Die Ekel­emp­find­lich­keit und das Bedürf­nis nach Ord­nung sind eigent­lich klas­sisch rech­te Eigen­schaf­ten.

Bob Alte­mey­er kam in sei­nem Buch »The Aut­ho­ri­ta­ri­an Spec­ter« von 1996 am Ran­de zu einem ähn­li­chen Befund. Um zu prü­fen, ob es neben dem rech­ten auch einen lin­ken Auto­ri­ta­ris­mus gibt, kon­stru­ier­te er einen ent­spre­chen­den Fra­ge­bo­gen, der etwa erhob, ob man sich einem star­ken Füh­rer im Kampf gegen das Estab­lish­ment anschlie­ßen wür­de und Ähn­li­ches. Der inter­es­san­te Befund war, dass teil­wei­se die­sel­ben Per­so­nen, die der­glei­chen bejah­ten, auch die Items des rech­ten Auto­ri­ta­ris­mus bejah­ten. Alte­mey­er bezeich­ne­te die­se Grup­pe als »Wild-Card Aut­ho­ri­ta­ri­ans«, weil sie sich unbe­se­hen des Inhalts zum Prin­zip von Auto­ri­tät und Unter­wer­fung hin­ge­zo­gen zu füh­len schei­nen (Alte­mey­er 1996, S. 223f.). Die­se Wild-Card Aut­ho­ri­ta­ri­ans hat­ten die höchs­ten Wer­te in poli­ti­scher Kor­rekt­heit, höher als sowohl Rech­te als auch Lin­ke (ebd., S. 233).

… und was ist mit der rechten Gefahr?

If you have always belie­ved that ever­yo­ne should play by the same rules and be jud­ged by the same stan­dards, that would have got­ten you labe­led a radi­cal 50 years ago, a libe­ral 25 years ago and a racist today.

Tho­mas Sowell

Die heu­te vor­herr­schen­de Mei­nung ist, dass wir es mit einer »rech­ten Gefahr« zu tun haben. Vor die­sem Hin­ter­grund erscheint es sicher merk­wür­dig, die Lin­ke als Gefahr aus­zu­ma­chen. Was hat es damit auf sich? Bin ich rechts?

Zwei­fel­los wür­den eini­ge Ver­tre­ter der neu­en Lin­ken mich rechts ver­or­ten. Aber dazu braucht es auch nicht viel. 

Ist man rechts, wenn man Tat­sa­chen aner­kennt wie die, dass nicht jeder Ein­wan­de­rer ein Flücht­ling ist, dass Ein­wan­de­rung auch Pro­ble­me mit sich bringt und dass die Zahl der Ein­wan­de­rer, die ein Land ver­kraf­ten kann, irgend­wo begrenzt ist? Ist man rechts, wenn man Ehe und Fami­lie für wert­vol­le Insti­tu­tio­nen hält? Ist man rechts, wenn man Unter­neh­men nicht ver­teu­felt, son­dern ihnen für den Wohl­stand dank­bar ist, der unse­re moder­ne Zivi­li­sa­ti­on ermög­licht? Ist man rechts, wenn man glaubt, dass es zwei Geschlech­ter gibt und eini­ge sel­te­ne Unre­gel­mä­ßig­kei­ten sowie nor­ma­le Varia­tio­nen in Geschlechts­as­pek­ten der Per­sön­lich­keit durch­aus exis­tie­ren, aber kei­ne zusätz­li­chen Geschlech­ter dar­stel­len? Ist man rechts, wenn man poli­ti­sche Gewalt und die gewalt­sa­me Unter­drü­ckung zivi­ler Mei­nungs­äu­ße­run­gen ablehnt? Ist man rechts, wenn man von Lin­ken for­dert, sich der Dis­kus­si­on zu stel­len? Ist man rechts, wenn man meint, dass jeder Bür­ger das­sel­be Recht dar­auf hat, dass sei­ne durch Wah­len aus­ge­drück­ten Prä­fe­ren­zen im poli­ti­schen Han­deln der Regie­rung reprä­sen­tiert wer­den, auch wenn Lin­ken die­se Prä­fe­ren­zen nicht gefal­len? Ist man rechts, wenn man die west­li­che Zivi­li­sa­ti­on für eine gute Sache hält und sich wünscht, dass sie noch eine Wei­le erhal­ten bleibt?

Wenn man die­se Fra­gen beja­hen kann, bin ich wohl rechts. Übri­gens bin ich nach heu­ti­gen Maß­stä­ben wohl auch ein Ras­sist, weil ich mei­ne, dass die Ras­se für den Wert, die Wür­de und die Rech­te eines Men­schen kei­ne Rol­le spielt. Die neue Lin­ke sieht das anders.

Aus­zug eines Arti­kels auf »Bell­tower News«, einem Maga­zin der neu­lin­ken Ama­deu-Anto­nio-Stif­tung, der klar­stellt, dass es kor­rekt ist, Deut­sche als »Kar­tof­feln« und »Almans« zu beschimp­fen. Die Ama­deu-Anto­nio-Stif­tung erhält öffent­li­che För­der­gel­der des Fami­li­en­mi­nis­te­ri­ums.

Ein Sexist bin ich wohl eben­so, da in mei­nen Augen das Geschlecht für den Wert, die Wür­de und die Rech­te eines Men­schen kei­ne Rol­le spielt. Die neue Lin­ke sieht das eben­falls anders.

(Klick führt zum Video)

Das alles heißt nicht, dass es nicht poten­ti­ell eine rech­te Gefahr gibt. Aber im Moment sehe ich mit den 90 rechts besetz­ten Sit­zen im Par­la­ment kei­ne Macht­er­grei­fung dro­hen. Die Rech­ten haben auch nicht die Mas­sen­me­di­en, die Schu­len und den Wis­sen­schafts­be­trieb im Sack, son­dern sind dort mar­gi­nal bis nicht vor­han­den.

Bezüg­lich Macht­er­grei­fung wage ich zu behaup­ten: Soll­ten die 13 % der AfD in eine irgend­wie gefähr­li­che Grö­ßen­ord­nung anwach­sen, ohne dass dies mit einer Mäßi­gung der Par­tei in Rich­tung der poli­ti­schen Mit­te ein­her­gin­ge, dann wird das nicht pri­mär das Werk der Rech­ten sein. Die Ursa­che wer­den ent­we­der Exzes­se der neu­en Lin­ken sein oder irgend­ei­ne schwe­re Kri­se, etwa ein Zusam­men­bruch der Wirt­schaft. Die jetzt Herr­schen­den haben die Auf­ga­be, ein Abdrif­ten ins sozia­le Cha­os zu ver­hin­dern. Soweit ihnen das gelingt, haben Rechts­ex­tre­me kei­nen Markt. 

Wie gesagt hal­te ich den Auto­ri­ta­ris­mus, die Arro­ganz und die Into­le­ranz der neu­en Lin­ken wesent­lich für eine Fol­ge ihrer Macht­po­si­ti­on. Dass heu­te eher die Lin­ke für Ein­schrän­kun­gen der Mei­nungs­frei­heit und eher die Rech­te für ihre Ver­tei­di­gung steht, liegt schlicht dar­an, dass die Lin­ke ihre Dis­kur­s­ho­heit ver­tei­digt und die Rech­te die­se angrei­fen will. Ich zweif­le kei­ne Sekun­de dar­an, dass sich die­ses Gefü­ge umkeh­ren wür­de, wenn die Rech­te in der Macht­po­si­ti­on wäre, in der die Lin­ke ist, und dort eine ähn­lich auto­ri­tä­re Selbst­ge­fäl­lig­keit ent­wi­ckel­te. Und dann wür­de ich auch pri­mär die Rech­te kri­ti­sie­ren.

Hin­sicht­lich der »rech­ten Gefahr« ist abschlie­ßend zu sagen, dass, soweit es sie gibt, die aus den Fugen gera­te­ne neue Lin­ke wesent­lich dafür ver­ant­wort­lich ist. Ihre Hege­mo­nie ist ihr zu Kopf gestie­gen. Das jah­re­lan­ge Pri­vi­leg vie­ler ihrer Ver­tre­ter, es sich leis­ten zu kön­nen, unter ihres­glei­chen zu blei­ben, hat einen Habi­tus gezüch­tet, der den Fort­be­stand kon­ser­va­ti­ver Wer­te und eines rech­ten Flü­gels als uner­träg­li­che Zumu­tung emp­fin­det statt als Selbst­ver­ständ­lich­keit einer plu­ra­lis­ti­schen Gesell­schaft. Die­se Lin­ke ist arro­gant und selbst­ge­fäl­lig gewor­den.

»The left did this« – ein Lin­ker erklärt den Wahl­sieg Trumps

Inner­halb einer sol­chen Sphä­re der Selbst­ge­fäl­lig­keit geschieht etwas, das für eine auf­ge­klär­te Demo­kra­tie fatal ist: die Kri­tik stirbt. Das par­la­men­ta­ri­sche Sys­tem eben­so wie die Wis­sen­schaft lebt von Kri­tik. Men­schen sind nicht dafür geschaf­fen, Gewiss­hei­ten in Fra­ge zu stel­len, die sie mit allen ande­ren Mit­glie­dern ihrer Grup­pe tei­len. Man braucht dazu Wis­sen und Infor­ma­tio­nen, die in die­ser Grup­pe nicht zir­ku­lie­ren, und es ist ist schlicht unan­ge­nehm. Man zieht sich auch nicht im Win­ter bei 10 Grad unter null bis auf die Unter­ho­se aus und stellt sich in den Gar­ten. Man bräuch­te einen Anlass dafür.

Ein gefes­tig­tes Wis­sen und eine star­ke Argu­men­ta­ti­on zu ent­wi­ckeln setzt vor­aus, dass man her­aus­ge­for­dert wird, immer und immer wie­der. Wenn man statt­des­sen immer nur den vor­her­seh­ba­ren Bei­fall für vor­her­seh­ba­re Phra­sen kas­siert, führt das zu einer intel­lek­tu­el­len Ver­wahr­lo­sung. Man wird faul und selbst­ge­fäl­lig. Man hält sich für schlau – sonst wür­de man ja nicht stän­dig Bei­fall erhal­ten – aber in Wahr­heit dreht man sich nur noch um sich selbst. Und da man sich nicht mehr mit der Kom­ple­xi­tät der Wirk­lich­keit kon­fron­tiert, fängt man an, schlech­te, weil halb blin­de Ent­schei­dun­gen zu tref­fen.

Es waren also, mei­ne ich, ers­tens über­zo­ge­ne Herr­schafts­an­sprü­che und zwei­tens die Fol­gen einer Rei­he von schlech­ten, unüber­leg­ten Ent­schei­dun­gen der Lin­ken, die zu Wider­stand in Form des »Rechts­rucks« geführt haben. (Jetzt kann man natür­lich bestrei­ten, dass Mer­kel eine Lin­ke sei, ich wür­de das auch nicht behaup­ten, aber sie hat sicher­lich etwa mit dem Atom­aus­stieg und »Refu­gees Wel­co­me« lin­ke Stim­mun­gen auf­ge­grif­fen.)

Intel­lek­tu­el­le Ver­wahr­lo­sung: Wer nicht hüpft, der ist ein Nazi

Wir brau­chen schlicht wie­der eine Balan­ce zwi­schen Regie­rung und Oppo­si­ti­on sowie in der wei­te­ren Gesell­schaft einen Wett­streit der Mei­nun­gen anstel­le des Schwarz­weiß­bil­des einer guten Mei­nung, deren Güte außer Fra­ge steht, und einer bösen, ver­bo­te­nen, zu bekämp­fen­den Mei­nung. Wir brau­chen wie­der eine Kul­tur der Kri­tik anstel­le einer Kul­tur der geist­lo­sen Kon­for­mi­tät. Dar­um geht es mir und dar­aus erklärt sich auch unmit­tel­bar, dass mei­ne Kri­tik pri­mär nach links geht.

Der Balken in meinem Auge

War­um beschäf­tigt man sich über­haupt mit dem Cul­tu­re War, anstatt sich ein­fach einen schö­nen Tag zu machen? War­um tut man sich das an?

Weil irgend­et­was dar­an einen berührt, beun­ru­higt, beschäf­tigt, ärgert oder ängs­tigt. Sicher, das gan­ze hat auch einen Unter­hal­tungs­wert, die Memes und all das. Doch den hat es nur, weil es rele­vant erscheint, bzw. nur für die, denen es rele­vant erscheint.

Das heißt, man ist emo­tio­nal in die Sache ver­strickt. Das äußert sich in vie­len Irra­tio­na­li­tä­ten und Feind­se­lig­kei­ten, wie man sie in der höchs­ten Dich­te auf Twit­ter beob­ach­ten kann, aber auch in den Leser­kom­men­ta­ren bei Medi­en­er­zeug­nis­sen sowie in etwas zivi­li­sier­te­ren For­men in den Medi­en­er­zeug­nis­sen selbst. Der kleins­te gemein­sa­me Nen­ner die­ser Irra­tio­na­li­tä­ten ist viel­leicht die all­ge­gen­wär­ti­ge Auf­fas­sung, die jewei­li­gen Geg­ner sei­en böse und dumm und auf Zer­stö­rung aus.

Die wol­len zer­stö­ren – das ist der Aus­sa­ge­kern vie­ler Vor­wür­fe, den die Mit­glie­der mora­li­scher Gemein­schaf­ten gegen ver­fein­de­te mora­li­sche Gemein­schaf­ten erhe­ben. Und das ist nicht nur eine Pro­pa­gan­da­be­haup­tung, son­dern auch eine Wahr­neh­mung.

Motivierte Argumentation

Jedes Infor­ma­ti­ons­frag­ment, das einem in die Hän­de fällt, wird als Beweis dafür inter­pre­tiert, dass die­ser Vor­wurf zutrifft. Dazu misst man die Gegen­sei­te an unmög­li­chen Maß­stä­ben (zum Bei­spiel wird ein Tweet eines anony­men Twit­ter-Accounts mit drei Fol­lo­wern zum Beweis für das, »was die wirk­lich den­ken«) und sieht der eige­nen Sei­te not­falls alles nach (schwar­ze Scha­fe gibt’s über­all, nie­mand ist per­fekt). Wäh­rend jeder bean­sprucht, Wahr­heit, Ratio­na­li­tät und Wis­sen­schaft auf sei­ner Sei­te zu haben, ist leicht zu sehen, dass gro­ße Tei­le davon ledig­lich ein Zir­kus des moti­va­ted rea­so­ning sind: des Herbei­er­fin­dens von Recht­fer­ti­gun­gen und Grün­den für das, was man glau­ben will und auch ohne die­se Recht­fer­ti­gun­gen und Grün­de glau­ben wür­de.

Wenn Beweis­auf­nah­me und Schluss­fol­ge­run­gen immer zu einem Ergeb­nis füh­ren, das schon vor­her fest­stand, soll­te einen das arg­wöh­nisch machen. Auf­grund unse­rer Ver­stri­ckung tut es das aber meis­tens nicht.

Men­schen fin­den immer Recht­fer­ti­gun­gen und Grün­de dafür, zu glau­ben, was sie glau­ben, und zu tun, was sie tun. Das ist eine unse­rer leich­tes­ten Übun­gen. Des­halb sind wir so Anfäl­lig für Selbst­be­trug. »Hier steht Mei­nung gegen Mei­nung – aber ich habe recht, weil ich mei­ne Mei­nung gut begrün­den kann!« Aber das kann jeder. Wenn man über Bil­dung, rhe­to­ri­sches Geschick und einen gro­ßen Wort­schatz ver­fügt, ist man sicher­lich geschick­ter dar­in, Begrün­dun­gen zu erfin­den – aber eben auch geschick­ter dar­in, sich und ande­ren etwas vor­zu­ma­chen.

Eine sehr gute For­mel, um sich zu ver­an­schau­li­chen, wie die­ses moti­vier­te Argu­men­tie­ren funk­tio­niert, habe ich wie­der von Jona­than Haidt. Sie geht so: Wenn wir etwas glau­ben wol­len, dann fra­gen wir: Darf ich das glau­ben? Und wenn wir etwas nicht glau­ben wol­len, fra­gen wir: Muss ich das glau­ben?

Wir wol­len zum Bei­spiel glau­ben, dass eine vege­ta­ri­sche Ernäh­rung gesün­der ist. Wir star­ten eine Goog­le-Suche und fin­den eine Stu­die, die das bestä­tigt. Her­vor­ra­gend. Wir dür­fen nun glau­ben, dass eine vege­ta­ri­sche Ernäh­rung gesün­der ist und dass wir gute Grün­de haben, das zu glau­ben, da wir von die­ser Stu­die wis­sen.

Oder wir sind Fleisch­esser und jemand behaup­tet, dass eine vege­ta­ri­sche Ernäh­rung gesün­der sei. Wir wol­len das nicht glau­ben. Wir star­ten eine Goog­le-Suche und fin­den die­sel­be Stu­die, die auch obi­ger Vege­ta­ris­mus­freund gefun­den hat­te. Wir sehen sie uns genau­er an und fin­den eine metho­di­sche Schwä­che dar­in, oder Indi­zi­en für Inter­es­sen­kon­flik­te der Autoren, oder wir suchen wei­ter und fin­den zwei ande­re Stu­di­en, die das Gegen­teil behaup­ten und von denen eine sogar neu­er ist. Her­vor­ra­gend. Wir müs­sen nicht glau­ben, dass eine vege­ta­ri­sche Ernäh­rung gesün­der sei, denn wir haben gute Grün­de dafür gesucht und gefun­den, es nicht zu glau­ben.

In unse­rer Medi­en­welt fin­det sich immer min­des­tens eine Stim­me, die uns bestä­tigt. Wer sich für die Wahr­heit inter­es­sier­te, müss­te eigent­lich gezielt den Stim­men zuhö­ren, die den eige­nen Über­zeu­gun­gen wider­spre­chen, um deren Argu­men­te und Bewei­se ernst­haft gegen die eige­nen antre­ten zu las­sen. Man müss­te gezielt das lesen und ernst neh­men, was man ver­ab­scheut. Man müss­te gezielt das lesen und ernst neh­men, was die Din­ge zu bedro­hen scheint, die einem lieb sind. Was die Din­ge zu beschmut­zen scheint, die einem hei­lig sind. Wer tut das frei­wil­lig?

Die emo­tio­na­le Abwehr des­sen, was das ande­re Lager sagt, bis hin zu Wut und Hass und dem Wunsch, es möge vom Erd­bo­den ver­schwin­den, gehört zu den Haupt­the­men, die ich hier behan­deln will. Woher kommt die­se emo­tio­na­le Ener­gie? War­um regt es uns auf, war­um quält es uns, wenn jemand die Din­ge anders sieht als wir?

Die Ant­wort hat ver­schie­de­ne Aspek­te, die wie­der­um inein­an­der ver­schlun­gen sind. Ich habe hier diver­se Ansät­ze, aber noch kei­ne Klar­heit.

Ein Aspekt ist so etwas wie die Ver­tei­di­gung eines gekränk­ten oder bedroh­ten Egos. Wenn ich tief an etwas glau­be und du die­ses Etwas angreifst, füh­le ich mich ange­grif­fen. Hier­an schließt die Fol­ge­fra­ge an, war­um Tei­le unse­rer Wis­sens­be­stän­de und Annah­men eine sol­che Rol­le für unser Ego ein­neh­men und ande­re nicht. Man­che Irr­tü­mer kön­nen wir sofort und ohne jede Auf­re­gung kor­ri­gie­ren, wenn wir neue Infor­ma­tio­nen erhal­ten. Bei ande­ren brau­chen wir Mona­te oder Jah­re dafür oder brin­gen es nie zustan­de.

Ein ande­res Motiv hängt mit dem mensch­li­chen Tri­ba­lis­mus zusam­men. Gemein­sa­me Glau­bens­sys­te­me bin­den Men­schen zu Grup­pen zusam­men und ermög­li­chen Koope­ra­ti­on und Koor­di­na­ti­on. Dazu gehört auch eine mehr oder weni­ger hef­ti­ge Abwehr­re­ak­ti­on, die ein­setzt, wenn die hei­li­gen Wer­te unse­rer mora­li­schen Gemein­schaft in Fra­ge gestellt wer­den. Der Angrei­fer erscheint uns böse, schlecht, ver­kom­men; eben als Ver­kör­pe­rung der Anti­the­se des­sen, was uns hei­lig ist.

Hilf­reich in die­sem Zusam­men­hang scheint mir auch eine Kern­idee der Phi­lo­so­phie von Jor­dan Peter­son, die in sei­nem ers­ten Buch »Maps of Mea­ning« aus­ge­führt wird. Dem­zu­fol­ge unter­teilt sich die Welt für Men­schen in erforsch­tes und uner­forsch­tes Gebiet, oder mit ande­ren Wor­ten, in Ord­nung und Cha­os. Inter­es­sant und frucht­bar ist das Leben an der Gren­ze zwi­schen bei­den. Hiel­ten wir uns nur in erforsch­tem Gebiet auf, wür­den wir man­gels Her­aus­for­de­rung und Sti­mu­la­ti­on ver­küm­mern. Im völ­li­gen Cha­os dage­gen sind wir ori­en­tie­rungs­los und ver­fal­len in Panik.

Die Regeln und Struk­tu­ren der Kul­tur, in die wir inte­griert sind, ver­wan­deln die Welt um uns her­um in erforsch­tes Gebiet. Wenn sie insta­bil wer­den, droht eine Rück­kehr des Cha­os.

Some­thing we can­not see pro­tec­ts us from some­thing we do not under­stand. The thing we can­not see is cul­tu­re, in its intra­psychic or inter­nal mani­fes­ta­ti­on. The thing we do not under­stand is the cha­os that gave rise to cul­tu­re. If the struc­tu­re of cul­tu­re is dis­rup­ted, unwit­tin­g­ly, cha­os returns. We will do anything — anything — to defend our­sel­ves against that return.

Jor­dan Peter­son in »12 Rules for Life«

Hass ist eine zer­stö­re­ri­sche Kraft. Er hält die Illu­si­on auf­recht, dass die­je­ni­gen, die die hei­li­gen Wer­te der Eigen­grup­pe nicht tei­len, das Böse ver­kör­pern. Wo Grup­pen ein­an­der für »das Böse« hal­ten, ist kei­ne Ver­stän­di­gung mög­lich und droht die gewalt­sa­me Kon­fron­ta­ti­on. Der, den ich has­se, kann mich nicht errei­chen, eben­so­we­nig wie ich ihn. Alle Betei­lig­ten wer­den in Bezug auf die ent­schei­den­den Streif­ra­gen düm­mer und gegen­über dem Geg­ner grau­sa­mer. Wech­sel­sei­ti­ger Hass bedeu­tet Ent­zi­vi­li­sie­rung.

Die diver­sen Initia­ti­ven gegen Hass im Netz sind lei­der Fehl­kon­struk­tio­nen. Sie sind in Wahr­heit Initia­ti­ven gegen Rechts, nicht gegen Hass, da sie auch rech­te Gedan­ken bekämp­fen, die nichts mit Hass zu tun haben, und lin­ken Hass igno­rie­ren. Eine Initia­ti­ve gegen Hass hät­te theo­re­tisch die Chan­ce, eine Kom­mu­ni­ka­ti­ons­grund­la­ge zu schaf­fen, der alle zustim­men kön­nen: wir wol­len uns ohne Hass strei­ten. Indem sie sich aber von vorn­her­ein gegen eine der Par­tei­en stel­len, zwi­schen denen eine Ver­mitt­lung nötig wäre, dis­qua­li­fi­zie­ren sie sich als Ver­mitt­ler.

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Wo hat man eine Chan­ce, Hass zu bekämp­fen und ihn damit wirk­lich zu redu­zie­ren? Bei sich selbst. Und hier kom­me ich zurück auf die ein­gangs ange­spro­che­ne Not­wen­dig­keit, den eige­nen Stand­punkt zu reflek­tie­ren. Wenn ich Leu­te has­se und das damit recht­fer­ti­ge, dass sie Hass ver­brei­ten, dann ist das ver­däch­tig. Wenn ich böse Gedan­ken und Gefüh­le gegen ande­re hege und das damit recht­fer­ti­ge, dass die böse sei­en, dann ist etwas faul. Es ist mensch­lich, aber des­we­gen ist es nicht gut.

Ich habe bis­her nicht kon­ti­nu­ier­lich über die The­men des Cul­tu­re War geschrie­ben, schon gar nicht öffent­lich, obwohl es mich seit Jah­ren beschäf­tigt. Es war mir zu groß. Zu viel Cha­os. Ich war gleich­zei­tig zu unsi­cher und zu wütend. Ich wuss­te irgend­wo selbst, dass ich Unsinn rede, dass ich in Wirk­lich­keit nur emo­tio­nal her­um­stram­pe­le, statt zur Klä­rung von irgend­was bei­zu­tra­gen; dass ich moti­viert argu­men­tie­re, dass ich irra­tio­nal, selbst­ge­recht, rach­süch­tig war. Auf die­ser Basis konn­te ich nicht dar­an glau­ben, dass ein Bei­trag mei­ner­seits irgend­ei­ne posi­ti­ve Wir­kung zei­ti­gen wür­de. Selbst­süch­ti­ge Moti­ve und ver­wi­ckel­te emo­tio­na­le Moti­va­tio­nen, über die ich selbst kei­ne Klar­heit hat­te, führ­ten mei­ne Idee ad absur­dum, einen ratio­na­len und wis­sen­schaft­lich fun­dier­ten Zugang zu den Kon­flik­ten unse­rer Zeit zu eröff­nen. Gleich­zei­tig war es für mich zu kräf­te­zeh­rend. Es nahm mich zu sehr mit, ging mir zu nahe, zog mich zu sehr run­ter.

Leicht ver­letzt zu sein eben­so wie eine Nei­gung zu Wut und Selbst­ge­rech­tig­keit sind Anzei­chen dafür, dass im eige­nen Leben etwas nicht stimmt. Ich habe das irgend­wann kapiert und in den letz­ten etwa zwei Jah­ren vie­les in mei­nem Leben in Ord­nung gebracht. Mei­nen Haus­halt, mei­ne beruf­li­che Situa­ti­on, mei­nen Tag-Nacht-Rhyth­mus, mei­nen Tages­ab­lauf, mei­ne Sucht. Letz­te­res waren nur Ziga­ret­ten, aber Sucht hat unab­hän­gig von der betref­fen­den Sub­stanz eine tie­fe­re Dimen­si­on, und mei­ne war ziem­lich stark aus­ge­prägt. Es gibt übri­gens auf­schluss­rei­che Par­al­le­len zwi­schen Sucht, ideo­lo­gi­scher Beses­sen­heit und Sek­ten­ver­hal­ten, die ich dem­nächst in einem Arti­kel (oder auch meh­re­ren) behan­deln wer­de.

Ich bin auch jetzt natür­lich nicht frei von alle­dem, von Wut, von Selbst­ge­rech­tig­keit, von Selbst­be­trug. Aber ich bin frei genug, um mich der Sache zu stel­len und den Rest mei­ner Aus­ein­an­der­set­zung damit in der Öffent­lich­keit zu bestrei­ten, in der Hoff­nung, dass es ande­ren nützt und ich umge­kehrt davon pro­fi­tie­ren kann, auf mei­ne Feh­ler hin­ge­wie­sen zu wer­den.

War­um erwäh­ne ich die­se per­sön­li­chen Din­ge hier über­haupt? Weil ich davon über­zeugt bin, dass ein gro­ßer Teil des Has­ses und der Irra­tio­na­li­tä­ten, mit denen wir zu kämp­fen haben, daher rührt, dass Men­schen mit sich selbst nicht im Rei­nen sind, ihre inne­ren Dämo­nen nach außen pro­ji­zie­ren und schlicht um sich schla­gen, weil sie lei­den. Ich weiß das bes­ser aus eige­ner Erfah­rung, als mir lieb ist. Des­halb wäre die Geschich­te hier unvoll­stän­dig, wenn ich es nicht erwähn­te.

Der Sprung in den Glauben

Die Wahr­heit ist eine hei­len­de und stär­ken­de Kraft, aus der ich schöp­fe, wäh­rend ich die Arbeit hier begin­ne.

Ich mei­ne »die Wahr­heit« nicht im popu­lis­ti­schen Sinn à la »Die Wahr­heit über die Mond­lan­dung«. Ich mei­ne Wahr­heit im Sin­ne des Logos, im Sin­ne von Jor­dan Peter­sons »Speak the truth – or at least don’t lie«. Es ist das Kapi­tel in sei­nen »12 Rules«, das den tiefs­ten Ein­druck bei mir hin­ter­las­sen hat. Es schil­dert, wie Men­schen durch die Bereit­schaft, zu lügen oder zu schwei­gen, zur Erschaf­fung einer Höl­le auf Erden bei­tra­gen, und wie Wahr­heit umge­kehrt rei­nigt und erhebt. Sowohl den Spre­cher als auch sei­ne sozia­le Umge­bung.

Eine Selbst­ver­pflich­tung dar­auf, die Wahr­heit zu sagen, ist ein Sprung in den Glau­ben: den Glau­ben, dass die Wahr­heit zu sagen letzt­lich zu den rich­ti­gen Kon­se­quen­zen füh­ren wird (wel­che nicht unbe­dingt die sind, die man sich wünscht). Man muss die­sen Glau­ben nicht mit Gott begrün­den. Aber es ist ein Akt des Glau­bens.

Die­sen Glau­ben habe ich gefun­den, jeden­falls in aus­rei­chen­der Men­ge, um das Pro­jekt zu star­ten. Und das ist mein Vor­satz: Nichts zu sagen, von dem ich nicht glau­be, dass es wahr ist. Das klingt tri­vi­al, aber das ist es nur, wenn man es nicht ernst nimmt. Im Hin­ter­kopf wis­sen wir, wenn wir Din­ge ver­zer­ren oder aus­las­sen, damit eine Erzäh­lung bes­ser unse­rer Agen­da dient; wir wis­sen, wenn wir drauf­los urtei­len, ohne uns infor­miert zu haben; wir wis­sen, dass der ande­re wahr­schein­lich nicht der bös­ar­ti­ge Dämon ist, als den wir ihn im Moment sehen und dar­stel­len. Aber wir sind sehr gut dar­in, die­ses bes­se­re Wis­sen zu über­ge­hen und zum Schwei­gen zu brin­gen. Das selbst­ge­rech­te Urtei­len ist nun mal befrie­di­gend und die Kon­fron­ta­ti­on mit Kom­ple­xi­tät, Wider­sprüch­lich­keit und eige­nen Schwä­chen anstren­gend. Wie ande­re Fra­gen des Cha­rak­ters ist Wahr­heits­lie­be daher ein lang­fris­ti­ges Pro­jekt. Man kann sich ange­wöh­nen und antrai­nie­ren, auf die­se inne­re Stim­me zu hören, die sich mel­det, wenn wir Mist bau­en, oder eben das Gegen­teil.

Die Wahr­heit tut weh und heilt. Ich habe viel Ener­gie inves­tiert, um der Wahr­heit ins Auge zu sehen und so Frie­den mit mei­nem Leben zu schlie­ßen. Das hat mich weit genug vor­an­ge­bracht, um die­ses Pro­jekt hier zu wagen und mei­ne Wahr­heits­su­che öffent­lich fort­zu­set­zen.

Geschäftliches

Ich wer­de min­des­tens ein­mal pro Woche einen Arti­kel pos­ten und arbei­te täg­lich min­des­tens eine Stun­de dar­an, in der Regel wohl eher zwei. Ich set­ze mir die­ses regel­mä­ßi­ge Ziel, weil mei­ne Tex­te sonst stän­dig aus­ufern und nie fer­tig wer­den.

Mehr als die­ses Pen­sum ist im Moment nicht mög­lich, da ich Geld ver­die­nen muss und Abends ein biss­chen Frei­zeit haben möch­te. Ich wür­de aber ger­ne mehr an Pro­jek­ten wie die­sem arbei­ten. Ide­en habe ich genug.

Daher baue ich hier in den nächs­ten Tagen eine För­der­mög­lich­keit ein. Es ist viel­leicht unge­wöhn­lich, das zu tun, bevor es über­haupt ein Publi­kum gibt. Ich ent­schei­de mich trotz­dem dafür, weil es sozu­sa­gen Teil des Ange­bots ist, das ich hier unter­brei­te: Wer mehr lesen will, kann das Blog unter­stüt­zen und mir damit die Mög­lich­keit geben, mehr zu schrei­ben.

Sie wür­den ger­ne mehr zu die­sen The­men lesen? Gut! Ich wür­de ger­ne mehr schrei­ben. An Ide­en man­gelt es nicht und die Lese­lis­te ist lang. Durch eine För­de­rung über Sub­scri­be­star oder Pay­pal kön­nen Sie hel­fen, die­sem Pro­jekt mehr Leben ein­zu­hau­chen. Dan­ke!

13 Kommentare

  1. Na Sebas­ti­an, auch wie­der da?

    Jetzt möch­test du also das „Schei­tern der Kom­mu­ni­ka­ti­on zwi­schen mora­li­schen Gemein­schaf­ten“ ana­ly­sie­ren?

    Wie wäre es damit, um die­sem heh­ren Ziel näher zu kom­men, mal zu ver­su­chen Kri­te­ri­en wahr­heits­ori­en­tier­ten Kri­ti­sie­rens kon­kret ein­zu­hal­ten?

    Wahr­heits­ori­en­tie­rung bei Kri­tik beinhal­tet m.E. fol­gen­de vier Aspek­te:

    1. Bereit­schaft zu aus­rei­chen­der Recher­che.

    2. Bereit­schaft die kri­ti­sier­te Posi­ti­on zu ver­ste­hen und inhalt­lich zutref­fend dar­zu­stel­len.

    3. Bereit­schaft Kri­tik an die rich­ti­ge Adres­se zu lie­fern und nicht an die fal­sche, (das wäre näm­lich Ver­leum­dung und Falsch­be­schul­di­gung). Hier­bei ist die Berück­sich­ti­gung von Strö­mungs­dif­fe­ren­zie­run­gen oft wich­tig.

    4. Die Bereit­schaft zur Selbst­kor­rek­tur, wenn man sich mal geirrt hat.

    Da du ja die letz­ten zwei Jah­re auf dei­nem Twit­ter-Account bei vie­len (aber nicht allen) dei­nen Twit­ter-Bei­trä­gen und Twit­ter-Ret­weets und auf dei­nem vor­he­ri­gen Blog bei eini­gen (aber nicht allen) dei­nen Arti­keln auf die­se Kri­te­ri­en geschis­sen hast – ähn­lich wie dein Guru Jor­dan Peter­son dies stän­dig tut – wäre es nicht rea­lis­tisch zu erwar­ten, dass sich dar­an bei dir in nächs­ter Zeit grund­le­gend etwas ändert, aber es wür­de dir sicher­lich nicht scha­den, mal dar­über nach­zu­den­ken.

    Ich fin­de die­se vier Kri­te­ri­en übri­gens ein gutes Instru­men­ta­ri­um um lin­ke, rech­te und ande­re For­men von Poli­ti­cal Cor­rec­t­ness auf die­ser Grund­la­ge einer kri­ti­schen Ana­ly­se zu unter­zie­hen. Ein Arti­kel von mir dazu folgt vor­aus­sicht­lich in ein paar Mona­ten. Er trägt den Arbeits­ti­tel „Die Tie­fen­struk­tur der Poli­ti­cal Cor­rec­t­ness“ und soll am Bei­spiel eines sys­te­ma­ti­schen Ver­gleichs zwi­schen jeweils zwei For­men lin­ker Poli­ti­cal Cor­rec­t­ness und zwei For­men rech­ter Poli­ti­cal Cor­rec­t­ness (u.a. auch die Ideo­lo­gie von Jor­dan Peter­son) her­aus­ar­bei­ten, was ver­schie­de­nen For­men von Poli­ti­cal Cor­rec­t­ness gemein­sam ist. (Poli­ti­cal Cor­rec­t­ness kann sich m.E. poten­ti­ell in allen poli­ti­schen, reli­giö­sen, phi­lo­so­phi­schen und sogar wis­sen­schaft­li­chen Strö­mun­gen her­aus­bil­den.) Was allen For­men von Poli­ti­cal Cor­rec­t­ness gemein­sam ist (zumin­dest ab einer bestimm­ten Kom­ple­xi­täts­stu­fe), das nen­ne ich die Tie­fen­struk­tur der Poli­ti­cal Cor­rec­t­ness. Und einer von meh­re­ren Aspek­ten, der allen For­men von Poli­ti­cal Cor­rec­t­ness m.E. gemein­sam ist, ist der Ver­zicht auf die vier genann­ten Kri­te­ri­en wahr­heits­ori­en­tier­ten Kri­ti­sie­rens. Die­ser Ver­zicht fin­det sich sehr aus­ge­prägt zum Bei­spiel bei extre­men poli­tisch kor­rek­ten post­mo­der­nen Lin­ken sowie bei dei­nem Guru Jor­dan Peter­son. (Nicht alle post­mo­der­nen Lin­ken sind poli­tisch kor­rekt, ins­be­son­de­re die bekann­tes­ten Autoren des Postmodernismus/Poststrukturalismus sind in der Regel nicht poli­tisch kor­rekt und auf sie trifft die­se Kri­tik nicht zu.)

    1. Du liest also den Text nicht und ergehst dich statt­des­sen in per­sön­li­chen Belei­di­gun­gen und Unter­stel­lun­gen gegen mei­ne Per­son – und for­derst im sel­ben Atem­zug die »Bereit­schaft, die kri­ti­sier­te Posi­ti­on zu ver­ste­hen und inhalt­lich zutref­fend dar­zu­stel­len.«

      Wow.

      Was du hier auf­führst, ist eine Rei­he mehr oder weni­ger abstru­ser Sophis­te­rei­en mit dem Zweck, dei­nem Zorn- und Ver­nich­tungs­af­fekt einen ratio­na­len und objek­ti­ven Anstrich zu geben.

      Ich »ver­su­che« nicht ein­mal, red­lich zu arbei­ten, habe nicht ein­mal die »Bereit­schaft« dazu, ich »schei­ße« auf mei­ne Sorg­falts­pflich­ten, glaubst du gedan­ken­le­send zu wis­sen.
      Wozu auf Inhal­te ein­ge­hen, wenn man dem ande­ren ein­fach einen mie­sen Cha­rak­ter und böse Absich­ten unter­stel­len kann?

      Und gleich­zei­tig dozierst du hier über Red­lich­keit bei der Kom­mu­ni­ka­ti­on und Wahr­heits­su­che. Alter Schwe­de. Wenn ich mal wis­sen will, wie du aus­siehst, schaue ich ein­fach im Wör­ter­buch unter »selbst­ge­recht«. Da fin­de ich sicher ein Bild von dir.

      »Ver­leum­dung und Falsch­be­schul­di­gung«, der ist gut. In dei­nen Augen ist es also eine Straf­tat, die Din­ge nicht so dar­zu­stel­len, wie du sie dar­ge­stellt haben willst. Ver­bo­ten. Was ich mache, ist nicht nur ein­fach etwas, dem du nicht zustimmst. Es ist etwas, das nicht exis­tie­ren darf.

      Du bist her­vor­ra­gen­des Anschau­ungs­ma­te­ri­al für vie­les, was oben im Text steht. Z.B.:

      … man ist emo­tio­nal in die Sache ver­strickt. Das äußert sich in vie­len Irra­tio­na­li­tä­ten und Feind­se­lig­kei­ten, wie man sie in der höchs­ten Dich­te auf Twit­ter beob­ach­ten kann, aber auch in den Leser­kom­men­ta­ren bei Medi­en­er­zeug­nis­sen sowie in etwas zivi­li­sier­te­ren For­men in den Medi­en­er­zeug­nis­sen selbst. Der kleins­te gemein­sa­me Nen­ner die­ser Irra­tio­na­li­tä­ten ist viel­leicht die all­ge­gen­wär­ti­ge Auf­fas­sung, die jewei­li­gen Geg­ner sei­en böse und dumm und auf Zer­stö­rung aus. … Wäh­rend jeder bean­sprucht, Wahr­heit, Ratio­na­li­tät und Wis­sen­schaft auf sei­ner Sei­te zu haben, ist leicht zu sehen, dass gro­ße Tei­le davon ledig­lich ein Zir­kus des moti­va­ted rea­so­ning sind: des Herbei­er­fin­dens von Recht­fer­ti­gun­gen und Grün­den für das, was man glau­ben will und auch ohne die­se Recht­fer­ti­gun­gen und Grün­de glau­ben wür­de. … Die emo­tio­na­le Abwehr des­sen, was das ande­re Lager sagt, bis hin zu Wut und Hass und dem Wunsch, es möge vom Erd­bo­den ver­schwin­den, gehört zu den Haupt­the­men, die ich hier behan­deln will. Woher kommt die­se emo­tio­na­le Ener­gie? War­um regt es uns auf, war­um quält es uns, wenn jemand die Din­ge anders sieht als wir?

      Täte dir viel­leicht ganz gut, dar­über auch mal nach­zu­den­ken.

      Was mich betrifft – nun, viel­leicht steckt in der Tat­sa­che, dass ich das ande­re Blog abschal­te, so etwas wie ein Ein­se­hen eige­ner Feh­ler.

      Viel­leicht steckt in einer Zwi­schen­über­schrift wie »Der Bal­ken in mei­nem Auge« so etwas wie ein Ein­se­hen eige­ner Feh­ler. Könn­te es sein? Oder auch in Abschnit­ten wie die­sem:

      Ich habe bis­her nicht kon­ti­nu­ier­lich über die The­men des Cul­tu­re War geschrie­ben, schon gar nicht öffent­lich, obwohl es mich seit Jah­ren beschäf­tigt. Es war mir zu groß. Zu viel Cha­os. Ich war gleich­zei­tig zu unsi­cher und zu wütend. Ich wuss­te irgend­wo selbst, dass ich Unsinn rede, dass ich in Wirk­lich­keit nur emo­tio­nal her­um­stram­pe­le, statt zur Klä­rung von irgend­was bei­zu­tra­gen; dass ich moti­viert argu­men­tie­re, dass ich irra­tio­nal, selbst­ge­recht, rach­süch­tig war. … Ich bin auch jetzt natür­lich nicht frei von alle­dem, von Wut, von Selbst­ge­rech­tig­keit, von Selbst­be­trug. Aber ich bin frei genug, um mich der Sache zu stel­len und den Rest mei­ner Aus­ein­an­der­set­zung damit in der Öffent­lich­keit zu bestrei­ten, in der Hoff­nung, dass es ande­ren nützt und ich umge­kehrt davon pro­fi­tie­ren kann, auf mei­ne Feh­ler hin­ge­wie­sen zu wer­den.

      Das darfst du ger­ne auch auf mei­ne Ret­weet­ver­bre­chen bezie­hen.

      Und guess what, den Macht­spiel-Text, der dich damals so furcht­bar getrig­gert hat, wür­de ich heu­te nicht mehr schrei­ben oder ver­öf­fent­li­chen. Er ist zu sehr eine Feind­bild­kon­struk­ti­on und nimmt den Mund zu voll.

      Ich hof­fe, das zer­stört nicht das schö­ne Dämo­nen­bild, das du dir von mir gemacht hast. Hast es ja lan­ge gepflegt.

      Alle wei­te­ren Kom­men­ta­re von dir auf die­sem unter­ir­di­schen Niveau wer­den künf­tig gelöscht.

      1. Die Recht­schaf­fen­heit ud Gelas­sen­heit Dei­ner Ant­wort an obi­gen Kom­men­ta­tor ist impo­nie­rend.
        Aber: viel­leicht soll­te man Kräf­te spa­ren, man hat sie ja nur beschränkt und wen­det man sie hier auf, feh­len sie mög­li­cher­wei­se dort.

        Sehr gute Tex­te und Gedan­ken hier. Mer­ci.

    2. Huch. In wel­che irgend­wo irgend­wann anders mal aus­ge­tra­ge­ne Hah­nen­kämp­fe gerät man denn hier rein, wenn man mal neu­gie­rig den Blog-Link bei Twit­ter anklickt? Eigent­lich war ich nur zum Lesen gekom­men. Der obi­ge Kom­men­tar wirkt auf mich als Aus­sen­ste­hen­den nun unge­hal­ten, nach­tra­gend und bos­haft. Die dar­in offen zur Schau getra­ge­ne pas­siv-aggres­si­ve Feind­se­lig­keit ist für den unbe­darf­ten Leser leicht ver­stö­rend. Somit bestä­tigt der Kom­men­ta­tor wohl lei­der nur wie­der vie­les von dem, das der Blo­ger­stel­ler so tref­fend beschreibt.

      1. Auch in der selbst-ernannt anti-auto­ri­tä­ren, anti-femi­nis­ti­schen Lin­ken sind die Leu­te eben­so gut in der Freund-Feind-Erken­nung wie über­all sonst auch. Da reicht es schon, wenn man das Wort »Kul­tur­mar­xis­mus« oder – gott­be­wah­re – Jor­dan Peter­son erwähnt (ohne ihn in Grund und Boden zu kri­ti­sie­ren), um immer­wäh­rend in bestimm­te Schub­la­den gesteckt zu wer­den.
        Aber Les­zek schreibt sehr gut über bestimm­te Strö­mun­gen in der Lin­ken, das muss man ihm las­sen, und er hat mir Mat­thi­as Hil­de­brandt näher­ge­bracht.

  2. Geht ja gut los :D.

    Ich dan­ke für den Blog­bei­trag, ein wenig ist da ja aus der Mode gekom­men, bzw.einige Leu­te schrei­ben heu­te eher ellen­lan­ge Twit­ter­strän­ge, was ich per­sön­lich ätzend fin­de.
    Ein paar Anmer­kun­gen:
    »Vie­le Namen sind für die­se neue Lin­ke in Umlauf, dar­un­ter regres­si­ve Lin­ke, auto­ri­tä­re Lin­ke, post­mo­der­ne Lin­ke, (post­mo­der­ner) Neo­mar­xis­mus, Kul­tur­mar­xis­mus, Alt-Left und Ctrl-Left. «
    Auf­fal­lend hier fin­de ich, dass sich wohl die aller­we­nigs­ten so sel­ber bezeich­nen wer­den.
    Am ehes­ten wäre »Neue Lin­ke« noch akzep­ta­bel. Klingt für mich erst­mal neu­tral und drückt aus, dass sich etwas ver­än­dert hat. Aber sind in den letz­ten Deka­den nen­nens­wer­te poli­ti­sche For­ma­tio­nen aus dem Boden gespro­ßen, die sich selbst so nen­nen?

    »Es waren also, mei­ne ich, ers­tens über­zo­ge­ne Herr­schafts­an­sprü­che und zwei­tens die Fol­gen einer Rei­he von schlech­ten, unüber­leg­ten Ent­schei­dun­gen der Lin­ken, die zu Wider­stand in Form des “Rechts­rucks” geführt haben. (Jetzt kann man natür­lich bestrei­ten, dass Mer­kel eine Lin­ke sei, ich wür­de das auch nicht behaup­ten, aber sie hat sicher­lich etwa mit dem Atom­aus­stieg und “Refu­gees Wel­co­me” lin­ke Stim­mun­gen auf­ge­grif­fen.)«

    Mer­kel ist gewiss kei­ne Lin­ke, genau­so­we­nig wie die CDU links ist, oder Groß­kon­zer­ne, Hol­ly­wood etc. Die Fra­ge die sich aus mei­ner Sicht stellt ist, wie­so die­se »neu­lin­ken« Ide­en so einen Erfolg haben. Ich glau­be nicht, dass es ledig­lich ein Aus­druck lin­ker Hego­no­mo­nie infol­ge eines Mar­sches durch Insti­tu­tio­nen ist, die ande­re Akteu­re vor sich her­treibt. Da ist auch viel Zynis­mus im Spiel bzw. ich sel­ber habe Sym­pa­thi­en für die Mei­nung iden­ti­täts­po­li­tisch-kri­ti­scher Lin­ker, nach­dem es sich qua­sie um die kul­tu­rel­le Sei­te einer neo­li­be­ra­len Hego­no­mie han­delt. Auf der Rech­ten wird das nach mei­nem Ein­druck der­zeit eher unter »Glo­ba­lis­ten vs Loka­lis­ten« abge­han­delt.

    1. Stimmt, das sind über­wie­gend Fremd­zu­schrei­bun­gen und Kampf­be­grif­fe. Zu den Begrif­fen, die sowohl Geg­ner als auch Befür­wor­ter benut­zen, gehö­ren poli­ti­cal Cor­rec­t­ness, Iden­ti­täts­po­li­tik, Inter­sek­tio­na­li­tät und »Soci­al Jus­ti­ce« (manch­mal sogar mit »War­ri­or«).

      Nein, ich den­ke nicht, dass es gro­ße For­ma­tio­nen gibt, die einen neu­en Namen für sich selbst haben. Das liegt mei­ner Ansicht nach an ihrem Selbst­ver­ständ­nis und damit ver­bun­den ihrer Legi­ti­ma­ti­on. Du stehst ja auf einer viel schlech­te­ren Ver­hand­lungs­po­si­ti­on, wenn zu zum Bei­spiel die For­de­rung nach einer Frau­en- oder Diver­si­ty-Quo­te in Poli­tik oder Wis­sen­schaft vom Stand­punkt irgend­ei­ner lin­ken Strö­mung aus erhebst, als wenn du sagst, das ist ein­fach das Rich­ti­ge, gerecht, zeit­ge­mäß und fort­schritt­lich. Als Jus­tin Tru­deau gefragt wur­de, war­um er sein Kabi­nett zur Hälf­te mit Frau­en besetzt hat, sag­te er nicht, »weil ich ein Lin­ker bin«, son­dern »weil wir das Jahr 2015 haben«. Und das ist mei­ner Ansicht nach nicht nur Mar­ke­ting, son­dern auch die Selbst­wahr­neh­mung, nicht nur eine poli­ti­sche Strö­mung unter vie­len zu sein, son­dern so etwas wie den sozia­len Fort­schritt schlecht­hin zu ver­tre­ten. Etwas, dem jeder ver­nünf­ti­ge, intel­li­gen­te und gut­wil­li­ge Mensch zustim­men muss.

      Also Tru­deau ist ein Bei­spiel, dann die Frau­en­quo­ten-Vor­stö­ße hier­zu­lan­de, die Initia­ti­ven, die »geschlecht­li­che Iden­ti­tät« im Grund­ge­setz zu schüt­zen (was juris­tisch revo­lu­tio­när wäre, weil »geschlecht­li­che Iden­ti­tät« in die­ser Denk­wei­se etwas rein sub­jek­tiv Defi­nier­tes ist), staat­lich geför­der­te Gegen-Rechts-Initia­ti­ven, die es gut­hei­ßen, wenn wei­ße Deut­sche als »Kar­tof­feln« und »Almans« beschimpft wer­den, die Umstel­lung öffent­li­cher Ver­wal­tun­gen auf Gen­der­spra­che … die­se Din­ge rei­chen in die höchs­ten Stel­len und wich­tigs­ten Insti­tu­tio­nen hin­ein. Das ist doch wohl »nen­nens­wert«?

      Magst du mehr dazu sagen, was du mit »Zynis­mus im Spiel« meinst? Das wür­de mich inter­es­sie­ren. Ich hof­fe, es ist deut­lich gewor­den, dass ich nicht die gan­ze Lin­ke mit die­sen Ten­den­zen asso­zi­ie­re, und ich wür­de mir sehr drin­gend wün­schen, dass eine mehr klas­si­sche Lin­ke stär­ker und prä­sen­ter wäre.

      1. »Und das ist mei­ner Ansicht nach nicht nur Mar­ke­ting, son­dern auch die Selbst­wahr­neh­mung, nicht nur eine poli­ti­sche Strö­mung unter vie­len zu sein, son­dern so etwas wie den sozia­len Fort­schritt schlecht­hin zu ver­tre­ten. Etwas, dem jeder ver­nünf­ti­ge, intel­li­gen­te und gut­wil­li­ge Mensch zustim­men muss.«

        Abso­lut. Der Typus »Ich bin hier der gro­ße, unideo­lo­gi­sche Prag­ma­ti­ker« hat sich wahr­schein­lich auch in den let­zen Jah­ren mehr aus­ge­brei­tet. Anek­do­te dazu:
        Im Off-Topic Bereichs eines von mir öfter besuch­ten Forums leg­te mal ein Herr sei­ne Sicht auf die poli­ti­sche Land­schaft dar. Sinn­ge­mäß:
        Ideo­lo­gen sei­en »die gefähr­lichs­ten«. Er sei »libe­ral« und bevor­zu­ge eine »prag­ma­ti­sche, wis­sen­schafts­ba­sie­ren­de Poli­tik«. Er sei kein CDU-Wäh­ler (Mer­kel mache aber »einen guten Job«). Die Lin­ke gin­ge gar nicht, die SPD sei »ein­fach da«. Die AFD wäre frei­lich der Teu­fel höchst­per­sön­lich, mit der FDP stimm­te auch was nicht.
        Blie­ben also die Grü­nen, denen man am ehes­ten zuge­neigt sei.

        Schon die »wis­sen­schafts­ba­sie­ren­de Poli­tik« fand ich zum Schmut­zeln, doch waren mir auch kon­kre­te Äuße­run­gen bewußt, die die­se Beschrei­bung noch drol­li­ger mach­ten.
        Die­se Per­son fiel kon­kret kei­nes­falls durch beson­de­re Libe­ra­li­tät oder gar sowas wie »wis­sen­schaft­li­cher Neu­gier­de« auf, so etwas wie einen aus­ge­präg­ten Drang, Din­ge ver­ste­hen zu wol­len.

        Kon­fron­tiert bei­spiels­wei­se mit bestimm­ten Fehl­grif­fen von Netz­zen­sur, die eben nicht immer nur die »Bösen« trifft, kam die Aus­sa­ge »dass müs­se sich erst ein­spie­len«. Ana­ly­se von Phä­no­men wie Pegi­da oder Ter­ro­ris­mus fand nach dem Mot­to »sind halt Demo­kra­tie­fein­de« statt. Ange­sichts des AFD-Erfolgs müß­te man früh was in den Schu­len tun, so aus huma­nis­ti­scher Sicht, im Osten sei­en da ja auch Gebil­de­te weg­ge­zo­gen, das erklärt den Erfolg da etc.
        Jetzt könn­te man sagen, ok, da klafft halt das Selbst­bild von jeman­den mit der Rea­li­tät aus­ein­an­der. Es gab da aber auch noch einen beson­de­ren Aspekt, der das gan­ze für mich erst so rich­tig bemer­kens­wert macht: Die­se Per­son ist ein Jour­na­list. Nach­dem was ich weiß auch min­des­tens am loka­len poli­ti­schen Betrieb dran, also nicht Sport oder sowas.

        »Magst du mehr dazu sagen, was du mit “Zynis­mus im Spiel” meinst? Das wür­de mich inter­es­sie­ren. Ich hof­fe, es ist deut­lich gewor­den, dass ich nicht die gan­ze Lin­ke mit die­sen Ten­den­zen asso­zi­ie­re, und ich wür­de mir sehr drin­gend wün­schen, dass eine mehr klas­si­sche Lin­ke stär­ker und prä­sen­ter wäre.«

        Zynis­mus ist viel­leicht das fal­sche Wort bzw. reicht nicht aus für das was ich eigent­lich mein­te. Ich mei­ne so Sachen wie sich den öffent­lich geben­den Femi­nis­ten, bei dem dann raus­kommt dass er (oder sie) ein Sexu­al­ver­bre­cher ist , Unter­neh­men die »Hass-Mar­ke­ting« gegen ihre eige­ne Kund­schaft betrei­ben, oder sich beson­ders »divers« geben ohne die­sen Anspruch gerecht zu wer­den. Oder auch denk­bar: einem Diver­si­täts­an­spruch gerecht wer­den, und die Beleg­schaft dann zu mise­ra­blen Bedin­gun­gen schuf­ten las­sen – lin­ke Iden­ti­täts­po­li­tik als Schild gegen klas­si­sche lin­ke öko­no­mi­sche For­de­run­gen etwa.
        Bezüg­lich der Pres­se habe ich mal auf Twit­ter die For­mu­lie­rung »Arms Dea­ler in the Cul­tu­re War« gele­sen. Sowas gab es frü­her natür­lich auch, aber ich den­ke heu­te spie­len auch die sozia­len Medi­en, Click­bait, Druck etc. eine ver­stär­ken­de Rol­le.

        Klar kann man sagen, dass sind halt z.T. Heuch­ler, da sind auto­ri­tä­re Per­sön­lich­kei­ten dabei etc. Das ist aus mei­ner Sicht etwas kurz gedacht, wenn sehr hand­fes­te mate­ri­el­le Inter­es­sen vor­han­den sein kön­nen.

        »Ich hof­fe, es ist deut­lich gewor­den, dass ich nicht die gan­ze Lin­ke mit die­sen Ten­den­zen asso­zi­ie­re, und ich wür­de mir sehr drin­gend wün­schen, dass eine mehr klas­si­sche Lin­ke stär­ker und prä­sen­ter wäre.«

        Das ist auch schon deut­lich gewor­den, ich wür­de mich aber auch nicht dar­an sto­ßen wenn der Text pau­scha­li­sie­ren­der über die Lin­ke wäre. Aus mei­ner Sicht stellt es sich so dar, dass die drei rele­van­ten lin­ken Par­tei­en in Deutsch­land alle­samt im Iden­ti­täts­boot sind. Es mag Unter­schie­de in Detail­fra­gen geben, und natür­lich gibt es auch noch klas­si­sche Lin­ke Ansät­ze und Denk­wei­sen.

  3. Moin,

    ich mag Dei­ne Tex­te sehr, fin­de aber die Platt­form­wech­sel ver­wir­rend. Mei­ne Idee wäre, Du schlös­sest Dich einer bereits exis­tie­ren­den Platt­form an. Vor­teil: Du kannst auf bereits exis­tie­ren­de Infra­struk­tur und Audi­to­ri­en bau­en, und kannst Dir auch mal Pau­sen kön­nen. Du wür­dest bei­spiels­wei­se pro­gram­ma­tisch und auch vom Niveau her­vor­ra­gend zu man-tau pas­sen.
    Nur als Vor­schlag

    1. Vie­len Dank! Ich bemü­he mich, die Platt­form­wech­sel auf ein Mini­mum zu begren­zen 😉 Grund­sätz­lich habe ich nichts gegen Koope­ra­tio­nen, aber im Moment ist das hier eine lau­fen­de, offe­ne Aus­ein­an­der­set­zung mit den Din­gen und mir selbst, und dazu brau­che ich die Nar­ren­frei­heit einer eige­nen Platt­form.

  4. Ein sehr viel­ver­spre­chen­des Vor­ha­ben, das du hier umsetzt, und die schon vor­han­de­nen Bei­trä­ge sind inter­es­sant und gut geschrie­ben.

    Du liest und recher­chierst mei­nem Ein­druck nach viel im eng­lisch­spra­chi­gen Raum. Da schaue ich mich seit einer Wei­le auch ver­stärkt um, weil gera­de kon­tro­ver­se The­men dort oft viel­fäl­ti­ger dis­ku­tiert wer­den und die Ent­wick­lun­gen dort mit etwas Ver­zö­ge­rung meist auch bei uns ankom­men. Viel­leicht trägst du hier­mit ja dazu bei, die Dis­kus­si­on auch im deutsch­spra­chi­gen Raum wei­ter­zu­brin­gen.

    Ich wün­sche dei­nem Blog viel Erfolg und bin gespannt auf das, was noch kommt. 🙂

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